Beiträge von Ein Chronist

    Die Aufgaben


    Einen Monat nach dieser Zusammenkunft waren alle Vorbereitungen getroffen, und die Götter wandten sich an ihre Anhänger. Diese hatten sich versammelt und starrten gespannt auf die fünf Gestalten, die vor ihnen auf dem Hügel standen. Nachdem sich das aufgeregte Geschnattere einigermaßen gelegt hatte, wandte sich Uga an sie:
    "Meine lieben Kindchen. Es ist nun viele Monate her, dass ihr uns in dieses Tal gefolgt seid. Ihr habt alle Gefahren in Kauf genommen, um uns auch hier zu dienen. Eure Höhlen sind nun einigermaßen eingerichtet und ihr habt euch soweit eingelebt, dass wir dachten, wir könnten zum Dank für eure Treue einen kleinen Wettbewerb veranstalten, um euch die tristen Wintertage zu versüßen. Meine Halbgötter haben sich jeder eine Aufgabe für euch ausgedacht, die es zu lösen und deren Anforderungen es zu erfüllen gilt. Hört gut zu, was sie euch zu sagen haben!"


    Feeble trat als Erster vor die Versammelten und brachte seine Aufgabe vor: "Eure Kenntnisse in einem Element sowie Euer Glaube an euren Gott sollten bald soweit sein, dass auch die leiseste Beschwörung ausreicht, um eine kleine, aber dennoch wichtige Veränderung hervorzurufen!"


    Nachdem sich das aufgeregte Gemurmel wieder etwas gelegt hatte, stellte Trubatsch seine Aufgabe: "Obwohl das Gesuchte auf den ersten Blick mehr mit dem Wasser zu tun hat, so ist es doch ein anderes Element, das man gut kennen muss, um den gewünschten Effekt zu erzielen!"


    Nebrot wartete eine Weile, ehe er folgende Worte sprach: "Ihr müsst lernen, auch die Kleinen zu schätzen, denn selbst das kleinste Lebewesen kann es schaffen, den Kreaturen Kirkalots das Fürchten zu lehren!"
     
    Als letztes sprang Slavomir gewohnt eilig hervor, um mit seinen Worten die Audienz völlig ins Grübeln zu bringen: "Obwohl ich und meine Kreaturen für ihre außergewöhnliche Schnelligkeit bekannt sind, so kann dennoch auch in der Ruhe große Kraft liegen!"


    Uga sah belustigt auf die fragenden Gesichter der Talbewohner :"Nun denn, ich sehe, ihr seid mit dem Nachdenken beschäftigt. Beweißt uns, dass ihr die Aufgaben lösen konntet, indem ihr die Ergebnisse in den Höhlen präsentiert, in denen Eurer Meinung nach das jeweilige Element am meisten verehrt wird. Mögen die Schnellsten gewinnen!"

    Vorbereitungen


    Einige Tage nachdem sich Uga und Nebrot getroffen hatten, riefen sie eine Versammlung der gesamten Halbgötter ein. "Ich habe lange Zeit mit Nebrot beratschlagt, ob wir uns in diesem neuen Tal Thoka sicher fühlen können. Leider sind wir zu dem Entschluß gekommen, dass wir Vorsicht walten lassen müssen. Hier scheinen dunkle Gefahren zu lauern. Wir sind uns alle einig, dass dies nichts Gutes bedeuten kann, denn auch Agga ist sehr unruhig, und Firaks Späher werden täglich auf ihren Erkundungsgängen gesichtet. Wir sind übereingekommen, dass wir unsere Anhänger auf die kommende Gefahren vorbereiten müssen!" erläuterte Uga die Lage.


    Trubatsch sah nachdenklich ins Feuer und sprach schließlich: "Ja, aber wie wollen wir verfahren? Wir können Ihnen kaum sagen, dass irgendwelche unbekannte Gefahren lauern und sie sich schon einmal aufs Schlimmste vorbereiten sollen! Das würde eine unproduktive Panik unter ihnen auslösen."


    Nach einer Weile kam Feeble folgende Idee: "Wir könnten einen Wettbewerb ausrufen, in dem uns unsere Anhänger ihre Fähigkeiten und ihren Glauben an uns unter Beweis stellen müssen!"


    Uga nickte langsam. "Ja Feeble, das dürfte im Moment die beste Möglichkeit sein. Lasst uns einmal etwas ausarbeiten, um etwas Unterhaltung und etwas Ansporn zu bieten." Daraufhin hob er die Versammlung auf und zog sich mit einer Mischung aus Erleichterung und Bekümmerung in seine Höhle zurück.

    Uga sass mit Nebrot dicht am Lagerfeuer und starrte nachdenklich in die sternenklare, aber dennoch tiefschwarze Nacht hinaus. "Überhaupt scheint hier alles dunkler zu sein als in all den anderen Tälern, in die ich jemals meinen Fuss gesetzt habe. In den Wintermonaten schafft es die Sonne ja nicht einmal richtig, am Horizont emporzuklettern! War das hier schon immer so?" Nebrot antwortete nicht, sondern stocherte nachdenklich mit einem Ast in der Glut des Feuers herum.


    "Eine innere Unruhe befällt mich des öfteren in der Nacht!" wich Nebrot ein wenig Ugas Frage aus, "Ich kann nachts kaum schlafen, weil ich immer das Gefühl habe, dass die Sturmwinde mit mir flüstern!"


    Uga sah seinen neuesten Zögling lange ernst an und zog sich die wärmenden Felle höher und enger um die Schultern. "Das verstehe ich nicht ganz, Nebrot!" wunderte er sich, "Du bist doch schon lange hier unterwegs, du müsstest die Stürme und Schneeschauer doch gut kennen!"


    Vor der Höhle huschten einige Spitzmäuse wie kleine Schatten umher und fiepten aufgeregt in der Hoffnung, die Aufmerksamkeit des großen Gottes zu erregen. Sie wussten genau, dass die beiden Beratenden in der Höhle bereits gegessen hatten, und Uga warf ihnen immer die restlichen Krummen hinaus, damit sie in der Kälte etwas zu futtern hatten. Gedankenverloren stand Uga auf und fütterte die kleinen Wildtiere. Er sah ihnen beim Fressen zu und wandte sich dann wieder seinem Halbgott zu. "Verheimliche mir nichts, Nebrot! Sag, wie es ist! Ich merke doch, dass Dich etwas beunruhigt. Besser, wir sehen den Tatsachen und Gefahren jetzt ins Auge und können darauf reagieren und uns vorbereiten, als wenn es zu spät ist und meine Kindchen in Gefahr geraten. Wenn sie es nicht bereits sind!"


    Nebrot nickte zustimmend. "Ja, das ist mir duchaus bewusst, Herr. Nur wie soll ich etwas Euch vor etwas warnen, was ich selber noch nicht begreifen kann? Irgendwelche alten Mächte schlummern noch verborgen in diesem Tal, oder sind bereits am erwachen, so genau weiß ich es noch nicht einmal. Aber ich weiß weder wo, noch wie, noch was sie im Schilde führen! Aber das wussten wir ja bereits.Wenn Ihr Details haben wollt, ich kann sie leider im Moment nicht anbieten."


    Uga nickte bekümmert und beruhigte den aufgeregten Nebrot. "Ich weiß, Du gibst Dir alle Mühe, die Geheimnisse des Tales zu entschlüsseln. Aber ich will meine Kindchen warnen, zumindest insoweit, dass sie wissen sollten, dass etwas Unheilvolles im Tal lauert. Damit sie die Augen offenhalten und uns informieren können, wenn Ihnen etwas Ungewöhnliches auffällt. Einer der alten Stämme hat bereits Boten zu mir geschickt mit der Kunde, dass sich im Tal seltsames abspielt. Mein Bruder Agga scheint im Moment sehr aktiv zu sein, also scheint auch er etwas zu wissen oder zu ahnen. Je mehr Augen aufpassen, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir rechtzeitig gewarnt werden, wenn sich etwas Unheilvolles anbahnt."


    "Du willst sie warnen? Du willst, dass sie Hinweise suchen? Findest Du das nicht etwas gefährlich, wenn keiner genau weiß, worauf er sich da einlässt?" platzte Nebrot erstaunt heraus.


    Uga lachte schallend. "Nebrot, mein Schüler, du musst wirklich noch sehr viel lernen. Vor allem über meine Anhänger. Sie sind nicht die harmlosen Blümchenpflücker, für die man sie gerne hält. Sie wissen durchaus zu kämpfen, und wenn es notwendig ist, sind sie die härtesten und mutigsten Krieger, die man sich denken kann. Nur weil sie Gewalt als Lösung verabscheuen und immer erst einen friedlichen Weg der Einigung suchen heißt es noch lange nicht, dass sie nicht wissen würden, wie man die Kriegskeule effizient führt. Aber ich sehe, du scheinst wirklich in letzter Zeit zu wenig erholsamen Schlaf zu bekommen," stellte er mit einem sorgenvollen Blick auf den ein Gähnen unterdrückenden Schüler fest. "ich schlage vor, ihr zieht Euch heute Nacht in meine schützende Höhle zurück und versucht, Euch ein wenig auszuruhen."


    Dankbar nahm Nebrot das Angebot an, nickte Uga "Gute Nacht" zu und verschwand sofort in Richtung der Lagerstätte. Uga setzte sich in den Höhleneingang und murmelte einige unverständliche Sätze, die Nebrot einen tiefen und ungestörten Schlaf sichern sollten.

    Die Fundstücke


    Die Fundstücke




    Wieder hatten sich die Halbgötter versammelt. Firak hielt ein Fundstück in der Hand und studierte die Beschaffenheit. Kirkalots Blick fiel ebenfalls immer wieder auf die schmutzige Feder, um dann wieder gedankenverloren geradeaus zu starren. Carmi las die Steintafel mit den Namen der erfolgreichen Häuptlinge. Shadow-Dragon sass ruhig auf seinem Stuhl und beobachtete Kirkalots Rätseln aufmerksam.


    AH, MEINE HALBGÖTTER, IHR SEID ENDLICH VERSAMMELT!! WAS FÜR KUNDE BRINGT IHR MIR? WAREN DIE SCHWACHEN MENSCHEN ERFOLGREICH ODER HABEN DIESE SCHWÄCHLINGE MICH WIEDER ENTTÄUSCHT?? sprach Agga, als er mit wehendem Schritte den Saal betrat. Seine Halbgötter deuteten alle eine Verbeugung an.


    „Ja Herr, die Menschen haben Deinen Befehlen Folge geleistet! Alle acht Höhlen wurden gefunden und geplündert! Wir haben von acht Häuptlingen acht Fundstücke aus den Höhlen erhalten.“ sprach Carmi. „Die erfolgreichen Häuptlinge waren warhammer, DaAbdul, Nijura, Scorpi, Ni Hau, Kuehle, Florin und if_then_else.“


    AH, NUNGUT, VIELLEICHT BESTEHT JA DOCH NOCH HOFFNUNG. ICH WERDE DIESEN HÄUPTLINGEN MEINEN DANK AUSSPRECHEN UND SIE ANGEMESSEN BELOHNEN!! DIE TATEN SIND ZWAR NICHT DER REDE WERT, ABER ICH WERDE IHNEN SCHON NOCH GELEGENHEITEN BIETEN SICH ZU BEWEISEN!! KÜMMER DICH UM ALLES, SHADOW-DRAGON!!
    „Ja Meister, aber wie soll die Belohnung aussehen?“ fragte Shadow-Dragon.
    Firak antwortete: „Herr, da habe ich eine Idee! Meine Späher haben interessante Kreaturen ausgemacht. Sie scheinen nur aus Schnee zu bestehen. Wir haben einige gefangen und zur Untersuchung in Kirkalots Verließ eingesperrt. Ich schlage vor, diese Kreaturen den erfolgreichen Häuptlingen zu übergeben, damit diese sie im Kampfe testen können! Vielleicht erweisen sich die Kreaturen ja als nützlich!!“


    Shadow-Dragon blickte Agga fragend an. Aber Agga hatte sich bereits den Fundstücken zugewandt. Er machte eine flüchtige Handbewegung als Zeichen, das Shadow-Dragon das Nötige veranlassen soll.
    AH, DIE LETZTEN BRUCHSTÜCKE DES TALISMANS DES EWIGEN FEUERS!! Aggas Finger ertasteten das einst von ihm selbst perfekt geschmiedete Amulett. EIN MEISTERWERK, WIE NUR DREI WEITERE JE HERGESTELLT WURDEN. AH, BALD WERDEN WIR WISSEN, OB DAS SCHICKSAL VON PAFFI DER TOD IST, ODER OB ER NOCH HIER IN DER SPHÄRE DER LEBENDEN WEILT UND MICH HINTERGANGEN HAT!! ICH HOFFE FÜR IHN, DASS ER TOD IST, DENN DIE ALTERNATIVE HÄTTE WESENTLICH SCHLIMMERE KONSEQUENZEN!! sagte Agga mit düsterer Miene.


    Er wandte sich den verbleibenden drei Halbgöttern zu.
    ICH WERDE DAS AMULETT NEU SCHMIEDEN. SEIN GLÜHEN WIRD MIR VERRATEN, OB DIE SEELE, DER ICH ES ANVERTRAUT HABE, NOCH IN EINEM STERBLICHEN KÖRPER WEILT. IHR ALLE HABT EIN ÄHNLICHES AMULETT, DASS EUCH MIT MIR VERBINDET!!
    Kirkalot, Carmi und Firak tasteten unweigerlich nach ihrem Halsschmuck.


    ABER ICH SEHE NOCH MEHR!! VIER WEITERE FUNDSTÜCKE. EINE SCHMUTZIGE FEDER, SELTSAM, EIN LANGES, BEARBEITETES METALLSTÜCK WIE EIN FINGER, UND HMM, EIN STÜCK STOFF, SCHWARZ MEHR ALS SCHWARZ, UND WAS IST DAS? Agga nahm das letzte Fundstück in die Hand. In seinem Blick war Überraschung zu erkennen. Er drehte sich zu Firak um und guckte ihn mit leicht trauriger Miene an. IST ES DAS WOFÜR ICH ES HALTE?? „Ja, Herr.“ antwortete Firak mit düsterer Miene. „Es besteht kein Zweifel, es ist eine zerbrochene Sanduhr.“


    Agga warf die Uhr achtlos auf den Tisch zurück. DAMIT BESCHÄFTIGE ICH MICH SPÄTER!! JETZT BEGEBE ICH MICH AN DEN AMBOSS. EIN BIßCHEN SCHMIEDEHANDWERK WIRD MEINE GEDANKEN ORDNEN. BEREITET IHR ALLES FÜR DAS RITUAL VOR. UND IRGENDWANN MUSS ICH MICH AUCH MIT SHADOW-DRAGON AUSEINANDERSETZEN, SEINE SEELE IST NOCH NICHT MIT MEINER VERBUNDEN!!

    Die Karte


    „Agga selbst hat mir angetragen, Euch eine Gelegenheit zu bieten, sein verlorenes Vertrauen wiederzugewinnen!“ sprach Carmi mit lauter Stimme. „Als ersten Test Eurer Fähigkeiten hat mein Herr der Kriegsgott acht Höhlen auserkoren, die ihr finden und plündern sollt!! Als Zeichen eures Sieges bringt meinem Herrn alles was ihr in diesen Höhlen findet, ohne Ausnahme!!“


    Carmi hielt die Karte hoch. „Auf dieser Karte sind die acht Höhlen gekennzeichnet. Mehr Informationen geben wir nicht Preis, nur mit Intelligenz und Ausdauer ist diese Aufgabe zu lösen. Bevor ihr aufbrecht eine Warnung von Agga selbst: Nach den Ereignissen in Saramari ist seine Geduld gering, Schwäche. Versagen oder gar Verrat wird härter denn je bestraft! Wer dem nicht gewachsen ist, soll zu Uga gehen und Blümchen pflücken!!"


    Aggas Plan


    Aggas Plan



    Die Halbgötter waren in Aggas Höhle eingetroffen.
    Nach einem Feuerwerk an Beschimpfungen und Anschuldigungen seitens Agga kam so langsam eine verständliche Unterhaltung auf.


    ICH HOFFE FÜR DICH, DASS DU EINE GUTE BEGRÜNDUNG DAFÜR HAST, DASS WIR NOCH NICHTS GEFUNDEN HABEN!!! polterte Agga weithin hörbar.


    SD kniete bereits vor ihm: "Ich habe leider keine Ahnung, Meister. Vielleicht waren Ugas Truppen schneller und haben bereits das vernichtet, wonach wir suchen?"


    MEIN MISSRATENER BRUDER SOLL DIE SPUREN VERWISCHEN?? UNMÖGLICH!! WOHER SOLL ER WISSEN WAS ICH SUCHE??? Sein Blick bohrte sich in die Augen seiner Halbgötter.


    Kirkalot und Carmi starrten betont unauffällig und nachdenklich in das Lagerfeuer. Zum Einen, weil sie selber keine Antwort auf diese Frage kannten, zum Anderen, weil sie nicht die Aufmerksamkeit des tobenden Kriegsgottes auf sich ziehen wollten.
    Anders hingegen reagierte Firak, der von seinem Platz aufsprang und Shadow-Dragon einen zornigen Blick zuwarf. "Agga, wären Späher Ugas hier unterwegs, hätte ich sie bemerkt! Außerdem haben Ugas "Kindchen" nicht die Fähigkeiten, eine Spur so zu verwischen, dass sie den Augen unserer Späher verborgen bleibt."
    Schließelich begann auch Shadow-Dragon mit ruhiger Stimme „Meister, die Karte. Ich habe sie..“


    RUHE. ICH HABE GENUG VON EUREN AUSFLÜCHTEN!! IHR SCHEINT NICHT IN DER LAGE ZU SEIN, MIR INFORMATIONEN ZU BESCHAFFEN. ICH WERDE MICH ALSO WIEDER DEN VERWEICHLICHTEN MENSCHEN BEDIENEN!! ICH WERDE SIE NACH DEN MARKIERTEN HÖHLEN AUF DIESER KARTE SUCHEN LASSEN!! SIE SOLLEN DIE HÖHLEN FINDEN, PLÜNDERN, BRANDSCHATZEN UND MIR ALLES BRINGEN WAS SIE FINDEN!! Aggas Augen brannten vor Zorn.
    UND MIT UGA BESCHÄFTIGE ICH MICH SPÄTER!!! UNSCHULDIG ODER NICHT, ALLEINE SEINE PRÄSENZ IST GRUND GENUG!!


    Die Halbgötter warteten auf einen nächsten Ausbruch. Als dieser nicht kam wagte es Carmi die Stimme zu erheben. „Eine weise Entscheidung, Herr! So können wir die Suche beschleunigen, aber gleichzeitig die Menschen prüfen und unsere Jünger auswählen! Ich werde es den Menschen als den Test des Kriegsherrn verkaufen, sie werden mit Eifer suchen ohne die wahren Hintergründe zu kennen! Herr, soll ich eine Abschrift der Karte anfertigen und verteilen?“


    Aggas Blick loderte nun in den hellsten Farben.
    HAST DU NICHT ZUGEHÖRT?? MUSS ICH ALLES ZWEIMAL SAGEN?? WAS SITZT IHR HIER NOCH RUM?? GEBT DEN MENSCHEN DIE AUFGABE UND GEHT SICHER, DASS SIE DEN PREIS FÜR VERSAGEN KENNEN!! ICH WERDE UGA GENÜGEND GELEGENHEITEN GEBEN SICH MILDTÄTIG ZU ZEIGEN!!! DER GOTT DES KRIEGES UND DER ZERSTÖRUNG HAT KEINE LUST MEHR AUF SPIELEREIEN UND UNSINNIGE TURNIERE!!! Agga hatte Mühe seine Wut nicht in unkontrollierter Gewalt ausarten zu lassen. SAGT IHNEN: THOKA IST KALT, ABER DAS FEUER DER LEIDENSCHAFT, ZERSTÖRUNG UND DES KRIEGES BRENNT HIER UMSO HEISSER!!

    Die Suche nach Paffi


    Aggas Gedanken


    Agga war sogar für seine Verhältnisse schlechter Laune. Einige Monate verbrachte er bereits in diesem viel zu kalten Tal und immer noch hatte es keine Fortschritte gegeben. Der Höhleneingang zog immer noch bei starkem Schneesturm und die Feuer schafften es nicht die Höhle auf die angestrebte hohe Temperatur zu bringen.


    Diese Nebensächlichkeiten lenkten ihn immer wieder von seinen Überlegungen ab, wie er die Suche nach Paffi am besten angehen konnte. Seine Halbgötter hatten sich in ihren Höhlen niedergelassen, und die direkte Umgebung erkundet. Außer der Nachricht, dass Uga wesentlich früher in dieses Tal Einzug gehalten hatte, als von ihm erwartet, waren keine Erkenntnisse erzielt worden.
    Blieb nur die Karte. Agga hatte sie ausgiebig studiert. Die markierten Stellen waren nicht eindeutig zu entziffern. Aber diese Hinweise von Shadow-Dragon waren das Einzige was er wirklich hatte. Eine Suche würde viel zeit in Anspruch nehmen.


    Bald würden seine Halbgötter zu ihm kommen und ihm wieder nur enttäuschende Nachrichten einer ergebnislosen Suche bringen. Agga seufzte.


    Ist die Zeit so früh gekommen? Sollte er schon die unnützen Talbewohner für seine Zwecke nutzen? Er könnte sie gleichzeitig einem ersten Test unterziehen. Er sah keine andere Lösung, aber er würde auf die Ankunft seiner Halbgötter warten. Hier im Tale Thoka schien nicht der Platz für übertriebene Eile zu sein, zu unnachgiebig war der Schnee.


    Er blickte auf die heiße Schwefelquelle. Ein weiteres Bad konnte nicht schaden, es gab sowieso nichts zu tun für ihn.

    Thoka - Ein Wintermärchen


    Ein kalter Wind weht über die kargen, steil abfallenden Hänge des imposanten Gebirgszuges, der die Wüstenregionen Saramaris gegen das im Nordosten liegende Tal Thoka abgrenzt. Auf seinem weiteren Weg überquert er zuerst Geröllwüsten und Krüppelwälder, bevor er mit seinem eisigen Hauch das Wasser der in den Tundren und Schneefeldern gelegenen Seen und Flüsse bewegt.


    Man merkt deutlich, dass die Berge zugleich eine Wetterscheide sind, denn den Wanderern, die sie durchschreiten, scheint es, als ob die Temperatur mit jedem Schritt, den sie nach Norden setzen, merklich fällt. Doch trotz der widrigen Bedingungen gibt es Leben im neuen Tal, in das die Götter gerade ihr Weg führt. Die Bäume und Sträucher sind zwar spärlicher und kümmerlicher als in der alten Heimat, doch bieten sie der heimischen Fauna anscheinend genügend Nahrung zum Überleben.


    Auf den ersten Blick scheint es ein ganz normales, winterliches Tal zu sein. Doch der aufmerksame Wanderer merkt alsbald an den ungewöhnlichen Fährten im Schnee, dass in dem Tal auch Unbekanntes die eisige Luft atmet.


    Unter der tief ins Gesicht gezogenen Kapuze war es nicht zu erkennen, doch die hagere Gestalt lächelte.
    "Gut gut, es entwickelt sich alles wie ich es vorhergesehen habe. Die Zwei brechen in den Winter auf. Thoka wird der nächste Schauplatz des Kampfes sein." Der Blick der Kapuze schweifte über drei aufmerksam lauschende Gesichter.
    "Auch ihr müßt nun aufbrechen, jeder zu seiner Bestimmung. Sie wird die Zwei beschäftigen, aber wir müssen unsere Vorbereitungen treffen.

    Götterdämmerung - Agga


    Götterdämmerung - Agga



    In näherer Entfernung als Uga und Agga lieb gewesen wäre:


    FIRAK, WAS SEHEN DEINE SPÄHER? grollte Agga, dem das kalte Wetter gar nicht behagte.
    „Meister, ihre Sicht ist durch den Schneesturm eingeschränkt. Wir haben das Gebirge hinter uns gelassen und vor uns liegt eine kleine Ebene.“ antwortete Firak, sichtlich genervt von den schwachen Erkenntnissen seiner Späher.


    NUN GUT! DU WIRST SICHERLICH DAS TRAINING DEINER SPÄHER IN DIESER UMGEBUNG VERSTÄRKEN!! „Ja Herr, das werde ich!“ murrte Firak.
    ES BLEIBT NICHT VIEL ZEIT!! WIR MÜSSEN SOBALD WIE MÖGLICH MIT DER SUCHE BEGINNEN!! UND ICH HABE MEINEN BRUDER NICHT VERGESSEN!! ER WIRD NICHT LANGE AUF SICH WARTEN LASSEN UND WIEDER VERSUCHEN SEINE BLÜMCHEN PFLÜCKENDEN ANHÄNGER UM SICH ZU SCHAREN. Agga spuckte in den Schnee.
    ICH WERDE MIR EINE GEFOLGSCHAFT VON WAHREN KRIEGERN AUFBAUEN!!! UNBARMHERZIG WERDE ICH MEINE AUSWAHL TREFFEN, WICHTIGER ALS JE ZUVOR IST ABSOLUTER GEHORSAM GEFRAGT!! KRIEGER, DIE SICH MIR ENTEGEN STELLEN, WERDEN VERNICHTET!!! Ein Schatten huschte durch Aggas glühende Augen.
    SOLCH EIN VERSAGEN WIE IM LETZTEN KRIEG WERDE ICH NICHT NOCH EINMAL DULDEN!!! BEGINNT MIT DER ERRICHTUNG EURER KRIEGSLAGER, TRAINIERT EURE KRIEGER, ERKUNDET EURE UMGEBUNG!! BRINGT MIR IN EINEM ZYKLUS KUNDE!! ICH WERDE DIE KARTE UND DAS TAL STUDIEREN UND DANN DIE ERSTEN MEINER GEFOLGSLEUTE EINER PRÜFUNG UNTERZIEHEN!!!


    Die vier Halbgötter griffen ihre Waffen und machten sich in die bereits abgesprochenen Richtungen auf den Weg.


    ENTTÄUSCHT MICH NICHT, MEINE HALBGÖTTER!!!
    Agga blickte entzürnt und voller Abscheu auf den Schnee bedeckten Wald. Im Stillen dachte er: Wird Zeit, dass ich eine heiße Schwefelquelle finde, so ein Bad wird mir gut tun.

    Götterdämmerung - Uga


    Götterdämmerung - Uga


    Nebrot führte die Karavane an.
    Gefolgt von Unmengen nur Spuren im Schnee hinterlassender Diener schritt er über den Gebirgspass.
    Slavomir hatte sich den mühseligen Aufstieg erspart, und verschaffte sich mit seinem Drachensegler einen ersten Eindruck von dem vor ihm liegenden Tale Thoka.
    Feeble hatte einige Mühe seine großen Diener durch die engen Bergpassagen zu lotsen, aber es gelang ihm mit Hilfe von Trubatsch, dessen Lasttiere ohne Murren vollgepackt die größten Lasten schleppten.
    Uga hatte immer wieder den Rat von Nebrot eingeholt. Zum einen wollte er natürlich mehr über das neue Tal erfahren, zum anderen nutzte er diese Gespräche um Nebrot besser kennen zu lernen. Dabei merkte er wieder wie sehr ihm die Gegenwart von Nicknehm und seinen anderen ehemaligen Halbgöttern fehlte.


    Auf einer ersten Waldlichtung machte Nebrot halt und verkündete die Ankunft im Tale Thoka. Die Halbgötter blickten sich neugierig um, Uga gab ein Zeichen, dass sie sich um ihn sammlen sollten.


    „Höret meine Kinder. Wir sind am ersten Ziel unserer Reise. Nun gilt es in diesem unbekannten Tal Fuß zu fassen! Sucht Euch Eure Höhlen, baut sie als Heimstätten aus. Ihr wißt was in Saramari passiert ist! Achtet auf Eure Verteidigung! Wenn Nicknehms Befürchtungen richtig sind, dann ist hier kein freundlicher Empfang zu erwarten. Und mein kriegerischer Bruder wird mit Sicherheit auch bald aufkreuzen!“ Uga seufzte beim Gedanken an Agga. Er hatte ihn mit dem Turnier etwas besänftigt, aber es fühlte sich eher wie die Ruhe vor dem Sturm an.
    „Bereitet alles vor. In Kürze werde ich meine Gefolgsleute rufen, um das Tal mit den unterschiedlichsten Häuptlingen zu füllen! Wir brauchen sie, um unsere Augen und Ohren zu sein. Ohne sie können wir die Rätsel nicht lösen!“
    Die vier Halbgötter nickten und begannen, kurze, knappe Kommandos an ihr Gefolge zu geben.


    „Gehet meine Kinder, wir treffen uns in einem Sonnenzyklus in meinem neuen Lustgarten! Dort werden wir unser Vorgehen besprechen!“

    Der Aufbruch



    Uga hatte keine Zeit verschwendet, seine drei Halbgötter hatten in Windeseile alle wichtigen Dinge zusammengepackt und waren für den Aufbruch bereit. Uga selbst hatte während der Vorbereitungen mit Nebrot lange Gespräche geführt. Auch er war jetzt überzeugt, dass Nebrot bereit für die Aufgabe war. "Nebrot, ich muss Dir sagen, dass Nicknhem Dir etwas verschwiegen hat!" Nebrot blickte überrascht. "Nein, nicht aus bösen Willen, sondern nur weil er Dich mit dieser Information nicht belasten wollte!" Uga sah Nebrot mit freundlicher Miene an. "Nicknehm hat nicht vor sobald aus den Zeitaltern zurückzukehren! Zu wichtig sind die Informationen, die er sucht! Aber Nicknehm weiß auch, dass ich einen Halbgott des Lebens brauche, der sich um meine Pflanzen kümmert! Nebrot, Du als Schüler Nicknehms wirst den Platz an meiner Seite einnehmen, und die Arbeit Deines Meisters forsetzen! Dein Wissen über das Tal Thoka ist unschätzbar wertvoll auf dem kalten Weg der Unsicherheit den wir bald beschreiten!"


    Völlig überrollt von diesen Worten brachte Nebrot keinen Satz hervor. "Ich?" Uga lächelte. "Ja, Du. Und ich weiß Du wirst mir gut dienen! Nebrot geh, und packe Deine Sachen, wir brauchen Dich als Führer in das Tal Thoka!" Nebrot war immer noch durcheinander. "Ja, Herr, danke Herr! Ich werde Euch nicht enttäuschen!" "Nein, das wirst Du nicht! Geh wir brechen bald auf!"

    Halbgott des Feuers


    Halbgott des Feuers



    WAS MEINT IHR, MEINE HALBGÖTTER? WAS HALTET IHR VON DER KARTE, LIEGEN DIE ANTWORTEN WIRKLICH IM TAL DES EWIGEN WINTERS?? Agga schaute seinen verbliebenen Hallbgötter tief in die Augen. UND DIE NOCH WICHTIGERE FRAGE: HAT ER EUER VERTRAUEN UND IST ER EINES HALBGOTTES WÜRDIG??


    „Seine Angaben stimmen. Sie waren nach der vergangen Zeit zwar sehr schwer zu finden, aber jetzt, da ich wusste worauf ich achten musste, habe ich die Spuren selbst gesehen.“ antwortete Firak.
    „Er ist widerstandsfähig und kennt das Feuer wie außer Paffi kein Zweiter. Er ist intelligent und verschlagen. Er sagt kein Wort zuviel und gibt nie alles Preis, er ist nicht vollständig ehrlich!“ meinte Kirkalot.
    „Nur die Dummen zeigen ihre Fähigkeiten ohne Not und halten sich keine Reserve.“ besänftigte Carmi. „Ich halte ihn für durchaus würdig. Und ich gebe zu bedenken, dass Du keine Alternativen hast, Herr! Das Feuer muss weiter geschürt werden!“


    WIE IMMER REDEST DU WEISE, CARMI. WAS IST DER NÄCHSTE SCHRITT?? ICH BEVORZUGE MIR SELBER EIN BILD VON THOKA ZU MACHEN!! WENN PAFFI MICH TATSÄCHLICH VERRATEN HAT, DANN WILL ICH IHN SELBER STELLEN!! Agga machte eine Pause, dann fügte er schwermütig hinzu. UND IHN RICHTEN!!


    „Du willst in den Norden reisen, und die Höhlen selber untersuchen?“ fragte Kirkalot sichtlich überrascht. SELBER SUCHEN?? NEIN! DAS WERDET IHR TUN!! ABER ICH WERDE EUCH BEAUFSICHTIGEN!! EIN VERRAT REICHT MIR, ICH WERDE WIEDER EIN GENAUERES AUGE AUF MEINE UNTERGEBENEN WERFEN!! polterte Agga, mit finsterem Blick auf Kirkalot gerichtet. Kirkalot blickte ein wenig verlegen, da er nur zu gut wusste, dass Agga auf seine kurzzeitige Verbundenheit mit dem Tod anspielte.


    Um Mitternacht waren Agga, die Halbgötter und Shadow-Dragon zusammengekommen. SHADOW-DRAGON, DEINE INFORMATIONEN HABEN UNS ÜBERZEUGT. ICH STEHE ZU MEINEM WORT UND WERDE DICH ALS HALBGOTT DES FEUERS AN MEINER SEITE EMPFANGEN!!! SEI GEWARNT: MEIN VERTRAUEN IST ERSCHÜTTERT!! SOLANGE ICH KEINE GEWISSHEIT ÜBER PAFFI HABE, BIST DU AUF PROBE!! ICH DULDE KEINEN VERRAT UND WERDE JEDEN KLEINEN HINWEIS AUF VERRAT BITTER BESTRAFEN!!! sagte Agga. „Meister, ich danke Dir! Ich werde Dir dienen und Dich nicht enttäuschen!“


    DA WIR JETZT ALLES NOTWENDIGE BESPROCHEN HABEN, BEREITET DEN AUFBRUCH VOR!! WIR WERDEN IN DAS TAL DES WINTERS ZIEHEN, SÄMTLICHE SPUREN VERFOLGEN UND ALLE WIDERSACHER STELLEN UND BESIEGEN!!! NIEMAND DARF ES WAGEN MICH ZU HINTERGEHEN!!! grollte Agga.

    Die Karte


    Die Karte



    Agga verlor keine Zeit, zu sehr drängte ihn die Neugier. FIRAK HAT DIE SPUREN GEFUNDEN UND BESTÄTIGT DEINEN BERICHT!! DIE SPUREN VERLIEREN SICH OBEN IM NORDEN IN DEN SCHNEESTÜRMEN. WAS KANNST DU UNS DARÜBER HINAUS BERICHTEN, SHADOW-DRAGON???


    „Danke Firak, dass Du mich bestätigst. Meister, ich habe die Spuren auch in den Schneestürmen verloren. Aber ich erinnerte mich an einen Bekannten, der schon vor langer Zeit in den Norden gezogen war.“ EIN FREUND VON DIR IST IM RAUHEN NORDEN BEHEIMATET?!?


    „Kein Freund. Eher ein alter Gegner. Aber das nächste zu Freunden sind nun mal Feinde. Ich suchte ihn auf. Natürlich war er äußerst skeptisch und glaubte meinen Lügen nicht. Natürlich habe ich die wahren Gründe für meine Suche nicht offenbart, aber er war mir dennoch ein wenig behilflich. Er hat mir eine grobe Karte von dem nördlichen Tal names Thoka gegeben und mir Hinweise auf Höhlen gegeben, die als Versteck genutzt werden könnten!“


    Shadow-Dragon übergab Agga eine flüchtig gemalte Skizze in der einige Kreuze eingezeichnet sind. „Selbstverständlich hätte ich meinem Meister schon mehr Antworten präsentiert, aber ich allein habe nicht die Macht alle möglichen Verstecke nach weiteren Spuren abzusuchen. Deshalb bin ich zu Dir gekommen, damit Du mich bei der Suche unterstützen mögest.“


    NUNGUT, SHADOW-DRAGON. ICH WERDE MICH MIT MEINEN HALBGÖTTERN BERATEN UND DEINE INFORMATIONEN BEWERTEN. ERWARTE MEINE ENTSCHEIDUNG IN DER DUNKELSTEN STUNDE DER NACHT!! sagte Agga.


    Shadow-Dragon verbeugte sich und verließ die große Halle.

    Die Schriftrolle


    Die Schriftrolle





    „Ja, Herr. Nicknehm kam zu mir in das Tal des Winters Thoka. Er war nicht gekommen um meine Forschungen über die winterliche Fauna zu studieren, nein, er berichtete von den Ereignissen gegen Ende des Zeitalters Saramari. Er sprach von Vorahnungen. Nicknehm war höchst besorgt, und meine Berichte über Thoka erhöhten seine Unruhe!“ Nebrot machte eine Pause um eine Frage zuzulassen, aber Uga nickte als Zeichen, dass er fortfahren solle.


    „Nicknehm sprach von alten Weggefährten und Widersachern, von unbekannten Mächten und vor allem von Thoka. Nicknehm ist der festen Ansicht, dass Thoka eine entscheidende Rolle in der ganzen undurchsichtigen Geschichte spielt!“ Nebrots Blick verlor kurzzeitig seinen Glanz. „Das Tal Thoka ist mehr als nur eine Ansammlung von Schnee und Eis. Unwirtlich und an einigen Tagen äußerst unangenehm, gibt es doch viel Leben. Pflanzen, die dem Winter trotzen, Tiere, die sich dem Winter angepasst haben, und“ Nebrot blickte wieder klar und suchte Ugas Augen. „und etwas altes, ungeduldig und tödlich. Ich habe versucht es zu ergründen, aber es scheint sich allen Blicken zu entziehen. Und es scheint noch nicht bei Bewusstsein zu sein, wie ein Tier, das nur aus Reflex handelt, aber jeder Zeit zu einem aktiven Räuber werden kann! Herr, Nicknehm ist sicher, dass diese Macht in Thoka der Schlüssel zum Lösen unserer Rätsel sein kann.“


    Uga schwieg nachdenklich. Feeble ergriff das Wort. „Du sagtest, dass Du den Eindruck eines Reflexes ohne Bewusstsein hast. Wie soll dieser Reflex für die Ereignisse in Saramari verantwortlich sein? Nicknehm ist ein sehr bedachter Mann, er äußert solche Behauptungen nicht ohne Beweis!“ Nebrot nickte zustimmend. „Bisher habe ich nur von unseren Erkenntnissen berichtet. Allerdings sind wir nicht die einzigen, die sich für das Tal interessieren. Ein ehemaliger Widersacher ist aufgetaucht, und hat mich um Rat gefragt, aber das war bevor Nicknehm mich gewarnt hatte. Und auf dem Weg hierher“ Nebrot suchte in seinen Erinnerungen. „Herr, ich bin mir nicht sicher, aber ich meinte mehrmals den Halbgott des Schattens in einem Schneesturm umherirren zu sehen, aber einen klaren Blick habe ich nie erhalten, das Bild war auf den zweiten Blick immer verschwunden!“ Slavomir sprang auf. „Firak? Wenn das stimmt sucht auch Agga!“ Endlich sprach Uga. „Nebrot, Deine Berichte erfüllen mich mit Sorge. Mein Halbgott hat Dir bestimmt eine geheime Schriftrolle mitgegeben, um mir Deine Informationen zu bestätigen!“


    Nebrot erhob sich und übergab Uga die Schriftrolle. Uga las aufmerksam. Als er geendet hatte ruhte sein Blick lange auf Nebrot. Seine Gedanken kreisten, als er sich das eben gelesene nochmals vor sein inneres Auge führte. Eine Macht erhebt sich … Die, die nicht mehr sind, kehren wieder … Agga rührt sich bereits. … Mein Weg führt mich zu den Anfängen von uns Halbgöttern … Er ist bereit für die Aufgabe … Ihr müsst aufbrechen…

    Firaks Rückkehr


    Obwohl es Nacht war und ein kalter Sturm über das Lager der Halbgötter fegte, empfing Agga den heimkehrenden Firak noch vor der Höhle, um dessen Bericht zu hören. Firak setzte sich sofort an das Feuer und wollte mit seinem Bericht anfangen, als Agga schon lospolterte:


    WAS DAUERTE DAS SO LANGE? ICH HABE MIT DEINER RÜCKKEHR SCHON VOR TAGEN GERECHNET!!! UND SEIT WANN SEID IHR VERFROREN WIE EIN ALTES WEIB UND WÄRMT EUCH AN EINEM LAGERFEUER?


    "Herr, der Norden, in den Paffi allen Anschein nach von seinen Begleitern verschleppt wird, ist mehr als nur unwirtlich. Das Klima ist sehr rauh, und die Kälte beisst einem geradezu in die Glieder. Ich bin den Spuren, die von Paffis altem Lagerplatz aus wegführen, eine Weile gefolgt, aber ich habe sie in den Schneestürmen, die dort herrschten, verloren. Ich habe eine Weile versucht, die Fährte wieder aufzunehmen, aber der Schneesturm hat sie viel zu schnell verdeckt. Es hatte geradezu den Anschein, als ob die Winde von einer unsichtbaren Macht gesteuert wurde. Die weißen Massen schienen die Spuren geradezu gierig zu verschlingen, wie ausgehungerte Bestien! Je mehr ich suchte, umso undurchdinglicher wurde die Wand aus Schnee, so als ob sie ahnen könnte, was ich als nächstes tun und wohin ich als nächstes gehen würde. Wisst Ihr noch, wie es der Alte Mann geschafft hatte, dem Nebel Leben einzuhauchen? Geradeso kam es mir dort auch vor. Ich fühlte mich wie in einem lebenden Labyrinth aus Schnee und Eis, aus dem es nur schwer ein Entrinnen gab. Das verzögerte meine Heimreise um mehrere Tage."


    DU GEHST ALSO DAVON AUS, DASS PAFFI GEGEN SEINEN WILLEN IN DEN NORDEN ZIEHT? hakte Agga nach.


    "Was will der Halbgott des Feuers in einer Region des ewigen Winters?" da Firak ein Meister der Befragung war, war er der Einzige, der es schaffte, eine Frage Aggas unbestraft mit einer geschickten Gegenfrage zu beantworten.


    Agga bemerkte zwar die Verfehlung, quittierte sie aber nur mit hochgezogenen Augenbrauen und brummte zustimmend. Aber richtig überzeugt war er von Firaks Argument noch nicht, die Vergangenheit hatte ihn gelehrt, mißtrauisch zu sein.


    Firak stand vom Feuer auf und begab sich zum Ausgang der Höhle: "Herr, ich habe Dir berichtet, was ich zu berichten habe. Aber ich habe noch etwas Wichtiges zu erledigen, was viel von meiner Zeit in Anspruch nehmen wird. Ich werde Dich aufsuchen, wenn ich die Antwort weiß." Er verließ die Höhle und verschwand im Schatten. Agga sah ihm lange nach. Was hatte er? Er kannte Firak viel zu lange, um nicht zu erkennen, dass diesen etwas beunruhigte. Alleine der Patzer vorhin, als er mit einer Gegenfrage antwortete, zeigte Agga, dass sein Späher mit anderen Fragen beschäftigt war, von denen er ihm nicht berichtete. Glaubte er doch nicht an Paffis Entführung? Oder war er etwas anderem auf der Spur? Firak hatte die Begabung, Verrat und Unheil weit im Voraus zu spüren. Doch was war es? Verrat? Unheil? Oder gar beides?

    Die Ankunft


    Fünf Tage waren vergangen, seitdem Nebrot aufgebrochen war. Das schneebedeckte Gebirge hatte er passiert und langsam wurde die Landschaft freundlicher.
    Nebrot atmete bei dem Anblick der zunehmenden Vielfalt der Vegetation auf, zu lange hatte er lediglich mit den kargen Pflanzen im Tale Thoka reden können. Nun genoß er es dem Rauschen der rieseigen Bäume zu lauschen, die reifen Beeren der kleinen Sträucher zu naschen und auf die Vielzahl an verschiedensten Grüntönen zu blicken.
    Einen Augenblick hielt er inne und lächelte. Dann erinnerte er sich an seine von Nicknehm aufgetragene Mission und eilte Uga Festhalle entgegen.


    Bereits von weitem konnte er das Treiben auf den Wachtürmen erkennen. Die ausbrechende Hektik verriet ihm, dass er gesehen und vermutlich erkannt worden ist.
    Die Türen schwangen auf und Trubatsch empfing Nebrot mit besorgter Miene.
    „Nebrot, Schüler von Nicknehm, sei willkommen! Wir sehen, dass Du alleine gekommen bist, was bringst Du für Kunde von meinem Freund?“
    „Ich grüße Dich, Trubatsch. Sei unbesorgt, Nicknehm hat mich geschickt um seine Erkenntnisse persönlich mitzuteilen! Lass uns keine Zeit verlieren, ich muss Euch alle unterrichten! Wenn Nicknehm Recht hat, ist Zeit kostbar!“


    Die Versammlung war schnell einberufen. Zu sehr drängte der Durst nach Neuigkeiten.
    Uga hatte auf seinem Thron den Vorsitz übernommen. Zu seinen Füßen sassen die drei verbleibenden Halbgötter.
    „Nebrot, es ist schön Dich endlich wieder zu sehen! So sehr ich mich über Deinen gesunden Anblick freue, so sehr schmerzt mich die Abwesenheit meines Halbgottes Nicknehm. Nimm Platz, trinke einen Schluck und berichte bitte was Du weißt.“

    Der Verbleib von Paffi


    Agga war wütend und betrachtete den knienden Mann aufmerksam. Mit einer Spur der Bewunderung nahm er zur Kenntnis, dass die tagelange Folter den Mann nicht gebrochen hatte.


    NUNDENN UNBEKANNTER!! DIE WINDE DER ZEIT TREIBEN MICH ZU EINEM ENTSCHLUSS DEN ICH NIEMALS FÜR MÖGLICH GEHALTEN HABE! begann Agga etwas widerwillig SOLLTEN SICH DEINE INFORMATIONEN ALS RICHTIG ERWEISEN UND PAFFI TATSÄCHLICH TOT SEIN ODER GAR SCHLIMMERES, DANN WERDE ICH DICH AN MEINER SEITE ALS HALBGOTT DES FEUERS WILLKOMMEN HEISSEN!!
    WEHE DIR DEINE INFORMATIONEN SIND NUTZLOS UND DU VERSCHWENDEST MEINE ZEIT!! DANN WERDE ICH AN DIR EIN EXEMPEL STATUIEREN, DASS FÜR ALLE ZEITEN JEDWEGEM LEBEWESEN EINE WARNUNG DARSTELLEN WIRD!!! fügte Agga mit einem äußerst finsteren Blick hinzu.


    Die drei Halbgötter beobachteten den knienden Mann genau. Kirkalot hatte tiefsten Respekt vor seiner Leidensfähigkeit. Carmi achtete seinen Mut und Firak war interessiert an den Informationen, die seinen Spähern verborgen geblieben sein sollten.
    ERHEBE DICH UND SPRICH!! befahl Agga.


    Der Unbekannte stand auf und begann mit ruhiger Stimme und starrem Blick auf Agga.
    „Meister, Dein Wort ist mir genug als Bestätigung. Ich werde Euch alles sagen, was ich über das Verschwinden von Paffi weiß. Doch vorher gebietet es die Höflichkeit, dass ich mich vorstelle.“
    Agga nickte als Bestätigung.
    „Im dritten Zeitalter der göttlichen Zeitrechnung begann meine Geschichte. Als Mitglied des Wolfsrudels durchwanderte ich die Zeitalter. Geprägt vom Feuer und vom Schatten und durch viele Schlachten hatte ich mir als bald einen Namen verdient.“ Er machte eine gewichtige Pause.
    „Mein Name ist Shadow-Dragon, Sohn des Feuers und natürlich ehemaliger Anhänger von Firak, dem Herren der Schatten!!“


    Aggas Blick bohrte sich in Firak. Die Vorwürfe brannten in seinen Augen, wieso hatte er seinen ehemaligen Schützling nicht erkannt? Firak wandte den Blick ab und betrachtete den Mann mit neu geweckten Interesse.
    SHADOW-DRAGON!?! DEIN NAME IST MIR KEIN BEGRIFF!! FAHR FORT MIT DEN WICHTIGEN INFORMATIONEN ÜBER PAFFI!!


    „Seit einigen Zeiten war ich ruhelos, ich spürte Veränderungen in den Schatten, flüstern im Feuer, ich wusste nicht was es war, aber ich durchstreifte das Saramari-Tal nach Antworten. Dann plötzlich während meiner Reise brach der Krieg zwischen Uga und Dir Meister aus. Völlig unerwartet fand ich mich in den größten Kriegsgetümmeln wieder. Ich zog mich in die Schatten zurück und beobachtete von dort einige Schlachten. Irgendwann entdeckte ich Spuren von Feuer. Ich wusste diese Spuren konnten nur vom Halbgott des Feuers selbst stammen. Ich folgte den Spuren in der Hoffnung Paffi leibhaftig zu begegnen und um ihm meine Hilfe gegen die Truppen Ugas anzubieten.“ Shadow-Dragon senkte den Blick ab.
    „Aber ich kam offensichtlich zu spät! Ich fand ein leeres Lager mit vielfältigen Brandspuren vor. Mein Gefühl sagte mir, dass etwas nicht in Ordnung war!“


    „Kannst Du den Ort der Lagerstätte bestimmen?“ fragte Firak neugierig.
    „Ja natürlich. Es war in der nordwestlichen Ebene am Fuße eines Berges.“
    „Wann hast Du dieses Lager entdeckt?“ bohrte Firak nach.
    „Es war zwölf Tage vor meiner Ankunft hier“ sagte Shadow-Dragon.
    „Herr, es passt zusammen. Er hat den Lagerplatz von Paffis Armee entdeckt, und zwar etwa drei Tage vor meinen Schattenamazonen!“
    Agga nickte. SPRICH WEITER!!
    „Der Lagerplatz war weitestgehend verbrannt, aber ich entdeckte Spuren. Große mächtige rechteckige Abdrücke, wie von riesigen Füßen, und die Überreste von verbrannten Federn. Und…“ er kramte in seiner zerrissenen Kleidung. „Und ich fand dieses zerbrochene Amulett!“


    Agga erkannte das Bruchstück sofort.
    DER TALISMAN DES EWIGEN FEUERS!! ICH SELBER HABE DIESES AMULETT GESCHMIEDET!!! ES WAR EIN GESCHENK AN PAFFI FÜR SEINE TREUEN DIENSTE!! Agga sah sich das Bruchstück sehr genau an. DIESES MEISTERSTÜCK DER SCHMIEDEKUNST KANN NICHT VON MENSCHENHAND ZERSTÖRT WERDEN!! REDE!! WAS HAST DU NOCH ENTDECKT???


    „Ja Meister. Die Spuren der riesigen Füße und weitere Federn führten nach Norden. Seite an Seite mit einer Spur aus verkohltem Unterholz.“
    „Seite an Seite?? Du behauptest, dass Paffi neben den Verursachern der anderen Spuren gelaufen ist? Dass er gar aus eigenem Willen mit ihnen mitging?? Niemals!“ fluchte Carmi, die Paffi seit vielen Zeitaltern kannte.
    „Ich behaupte gar nicht, verehrte Carmi! Ich berichte nur von den Spuren, die Interpretation hast Du übernommen! Die Spuren führen in den Norden, in die Gefilde des ewigen Winters!“ erwiderte Shadow-Dragon mit ruhiger Stimme.


    CARMI, BITTE ZIEHE KEINE VOREILIGEN SCHLÜSSE!! FIRAK, SCHICKE SOFORT DEINE KUNDSCHAFTER AUS UND BESTÄTIGE MIR DIE SPUREN. SHADOW-DRAGON WIRD DIR EINE GENAUE BESCHREIBUNG GEBEN!! schnaubte Agga HAST DU NOCH MEHR INFORMATIONEN??


    „Meister, ich schlage vor, Du lässt Dir erst von Firak die Gewißheit geben, dass meine Angaben stimmen und dann werde ich mit Eurem vollen Vertrauen die Ergebnisse meiner weiteren Nachforschungen berichten!“
    Agga schnaubte, faßte sich aber sofort.
    DU BIST VORSICHTIG, DASS KANN ICH DIR NICHT VERÜBELN!! DU HAST GEZEIGT, DASS DU DER FOLTER WIDERSTEHEN KANNST, DESHALB BIN ICH EINVERSTANDEN!! LASSE DEINE WUNDEN BEHANDELN UND STILLE DEINEN HUNGER. SOBALD ICH NACHRICHT VON FIRAK HABE WERDEN WIR DIESES GESPRÄCH FORTSETZEN!!!

    Eine Entscheidung


    Seit Tagen sassen die zwei Freunde in Nebrots Höhle.
    Der Duft frischen Tees zog durch die Höhle, während Nebrot über auf dem Tisch ausgebreiteten Aufzeichnungen brütete. Nicknehm blickte in das muntere Schneetreiben außerhalb der Höhle und versuchte seine wiederkehrenden dunklen Gedanken zu vertreiben.


    „Hmm, Deine Berichte fügen sich nach und nach in das Gesamtbild. Der rätselhafte Angriff auf den Späher, der Krieg gegen Agga, die Unruhe hier im Norden. Nicknehm, ich denke Du bist da wirklich auf etwas gestossen!“ erklärte Nebrot. „Vor allem wenn ich mich an ein interessantes Treffen vor einigen Tagen erinnere. Ein alter Weggefährte, kein Freund aber ein achtbarer Mann, kam zu mir. Er sandte mir Nachricht und wir trafen uns an der südlichen Grenze des winterlichen Landes.“ Nebrot verfolgte Nicknehm mit seinem Blick, wie er sich wieder an den Tisch setzte und voller Interesse wartete, dass er fortfuhr.
    „Er fragte mich nach einer Karte des Nordens und nach Unterschlüpfen, an denen er auf einer Reise Schutz vor dem Wetter finden konnte. Zu seinem Motiv und dem Ziel der Reise tischte er mir offensichtliche Lügen auf. Ich fragte nicht weiter nach, da er ein Mann der Ehre ist und ich dem ganzen keine Bedeutung beimaß. Ich bot ihm auch so meine Hilfe an.“


    Nicknehm machte wieder sein nachdenkliches Gesicht. „Dies könnte bedeuten, dass wir nicht die einzigen sind, die die Zeichen deuten. Es gibt noch andere außer uns beiden, die auf der Suche nach Antworten sind. Ich muss mehr in Erfahrung bringen. Mein Weg wird immer klarer!“
    „Nebrot, Du hast mir von der alten schlafenden Macht dieses Tals berichtet. Glaubst Du da besteht eine Verbindung?“ fragte Nicknehm.


    Nebrot blickte ins Feuer.
    „Die Schneestürme flüstern, das Eis bewegt sich wenn man nicht hinschaut, die Kälte greift mit ihrem unerbittlichen Arm. Ja, es ist Bewußtsein im Winter, Nicknehm! Ich versuche dieses Mysterium schon länger zu entschlüsseln, aber es gelingt mir nicht. Je stärker meine Anstrengungen, desto undurchdringlicher der Schnee.“ er schauderte. „Ein Zusammenhang? Ich weiß es nicht, es ist nur schwer vorstellbar. Du weißt mehr über die Gefahr, vor der Du mich warnst! Könnte Sie Einzug in dieses Tal genommen haben und die schlummernde Macht des Eises geweckt haben? Möglich ist es, aber Sie kann nicht für alles verantwortlich sein!?“


    Nicknehm stand auf. „Du hast recht, das gilt es herauszufinden! Nebrot, stelle mir eine große Wegzehrung bereit, ich werde meine Nachforschungen in weit entfernten Orten vorantreiben müssen! Die Antworten werden nicht leicht zu finden sein, aber der Weg ist bereitet!“ Nicknehm blickte wieder in den Schneesturm. Er schien leicht abwesend zu sein und über etwas nachzudenken. Plötzlich wandte er sich wieder Nebrot zu.
    „Und Du mein Freund hast eine große Aufgabe zu verrichten! Ich werde ein Schreiben aufsetzen, welches Du bitte Uga zukommen läßt! Erkläre ihm alles was Du über die Rätsel weißt! Ich brauche Dir die Wichtigkeit dieser Mission nicht zu erläutern.“

    Das Gipfeltreffen - Teil VII


    Das Turnier war vorüber.
    Uga hatte die Ehrungen übernommen und allen Teilnehmern seinen Dank ausgesprochen.
    Selbstverständlich hat er allen Siegern angeboten sich in der Zukunft seiner Sache anzuschließen. Mit Sicherheit hatte er sich die Dienste einiger der erfolgreichen Krieger gesichert.
    Agga hatte sich weitest gehend heraus gehalten. Seine Gedanken drehten sich immer noch um den Verbleib von Paffi. Natürlich hatten seine Halbgötter das Turnier verfolgt und auf dem großen Versammlungstisch lagen Steinplatten mit Namen von besonders vielversprechenden Häuptlingen.


    Agga selbst hatte den Sieger persönlich begutachtet. J-Sylt war unbestritten ein großer Kämpfer, der das Turnier verdient gewonnen hatte. In vergangenen Zeitaltern hatte er und sein alter Stamm bereits für einige Schlachten gesorgt, die Agga mit großem Wohlwollen zur Kenntnis genommen hatte.
    Auch warhammer und Merlin waren den Halbgöttern aufgefallen. Agga würde diese beiden im neuen Zeitalter im Auge behalten und ihnen bei entsprechender Entwicklung ein Angebot machen. Aber dies lag noch in ferner Zukunft. Für Agga zählten vergangene Taten nicht, seine Krieger müssen immer und überall für große Schlachten, Tod und Zerstörung sorgen. Carmi und Firak hatten noch JimPanse, Palme und Khamul in ihre Liste aufgenommen, aber Agga hielt nicht viel von Verlierern.


    Normalerweise sorgten bei Agga die Gedanken an Schlachten, Zerstörung und an Verlierer immer für eine gute Laune, die er mit Opferungen oder stundenlanger Folter beging, aber derzeit grübelte Agga über seinen nächsten Schritt nach.
    Es gab keine Nachricht von Paffi. Seine drei verbleibenden Halbgötter sassen mit düsteren Minen um ihn herum. Sie alle hatten sämtliche Anstrengungen unternommen um den kleinsten Hinweis zu erhalten, aber außer dem verbrannten Lager Paffis hatten sie nichts gefunden.
    Da war nur der Unbekannte in den düsteren Verließen in Kirkalots Keller. Er hatte von Verrat und vom Tode Paffis gesprochen, aber Agga weigerte sich seinen Forderungen nachzukommen. Er blickte zu Carmi, deren Rat ihm noch einmal durch den Kopf ging. Schließlich faßte er einen Einschluss.


    FÜR ALL DAS WIRD JEMAND BEZAHLEN MÜSSEN!! BRINGT DEN NAMENLOSEN HEREIN!!


    Kirkalot holte aus seinem dunkelsten Verließ den Unbekannten heraus.
    In Ketten gelegt und mit zerrissener und verbrannter Haut gezeichnet betrat der Mann das Zelt. Trotz seiner zahlreichen Verletzungen und den Zeichen der schlimmsten vorstellbaren Qualen, hatte sein Gang immer noch eine große Würde. Gefolgt von seinem ebenso zerschundenen Schoßtier schritt er auf Agga zu und kniete wieder vor ihm nieder.


    „Meister! Ich stehe Euch zu Diensten!“ sagte der Unbekannte mit fester Stimme.

    Das Gipfeltreffen - Teil VI


    Agga lief sichtlich ungehalten auf und ab. Uga und einige Halbgötter gingen die neusten Turnierergebnisse durch.


    Firak las von einer Steinplatte ab. "Raven, Erzengel, RegitLagneb, nOOb, Stalk3r und Pohihihi haben die dritte Runde des Turniers überstanden." "Ich glaube nicht, dass wir damit unseren Meister belästigen sollten!" meinte Kirkalot mit schwerer Stimme, "er hat derzeit andere Gedanken im Kopf." Seine Hände schmerzten von der stundenlangen Folter des Unbekannten.
    "Auch in der letzten Vorrunde unseres schönen Turniers sind herausragende Leistungen erbracht worden." flötete Slavomir. "c00l.ZeRo, Hitman, Sphero, lukas.s, Ash-rak und Fisherman haben mit Mut und Ausdauer diese Runde für sich entschieden!"
    "Mut und Ausdauer? Weißt Du eigentlich was das ist, Slavomir?" fuhr Kirkalot ihn an, "Du bist doch nur auf Schnelligkeit aus, weil Du einen ordentlichen langen Kampf gar nicht aushälst!" "Deinen jämmerlich langsam Mammuts kommt ja selbst ein blinder Faustkämpfer wie ein Drachensegler vor!" schmipfte Slavomir, und schon sassen sich beide kampfbereit gegenüber.


    "Ruhe!" sagte Uga mit sanfter Stimme. "Hört auf zu streiten, Kinder! Wir wollen hier die Helden ehren, und uns nicht streiten. Raven und c00l.ZeRo waren die stärksten Krieger des zweiten Turniertages! Wir werden alle 12 Krieger im Finale wiedersehen und wir dürfen uns auf großartige Leistungen und schöne Auseinandersetzungen freuen!"
    HA! war das einzige was der finster gelaunte Agga von sich gab. In einem unnatürlichen Tonfall äffte er seinen Bruder nach. GROßARTIGE LEISTUNGEN UND SCHÖNE AUSEINANDERSETZUNGEN! HA!


    "Agga, Du brauchst das Turnier nicht beobachten, wenn es Dir nicht paßt! Ich werde die guten Leistungen der Krieger honorieren und ihnen meine Führung anbieten! Du kannst ja wieder mit dem Dir so wohlgesonnenen Abschaum Vorlieb nehmen!" erwiderte Uga sichtlich verärgert.
    JEDER ABSCHAUM IST NOCH BESSER ALS DEINE SCHWÄCHLICHEN GEFOLGSLEUTE! GUCK DOCH DEINE HIER SITZENDEN GEFOLGSLEUTE AN, EIN LASTENTRÄGER, EIN SCHNELLER FEIGLING UND EINER, DER SICH NUR AUF SEINE GRÖßE VERLÄßT!! Agga schaute über Trubastch, Slavomir und Feeble hinweg UND NICKNEHM SPIELT WOHL WIEDER VERSTECKEN!?!
    Uga wollte eine verächtliche Antwort bringen, besann sich aber eines besseren, und antwortete wieder völlig ruhig. "Ach Bruder, offensichtlich haben meine Halbgötter bei aller Schwäche genug Kraft gehabt um Deine wilden Horden aufzuhalten. Aber lass uns nicht wieder damit anfangen!"
    Aggas Augen flackerten kurz auf, aber auch er fing sich schnell. ES IST NOCH NICHT VORBEI, BRUDER! DIESEN WAFFENSTILLSTAND GESTEHE ICH DIR ZU, ABER WENN ICH KEINEN HINWEIS ENTDECKE, DASS DU UNSCHULDIG BIST, DANN...ACH, VERGNÜG DU DICH AN DEINEM TURNIER, ICH HABE WICHTIGERES ZU TUN!!



    Daraufhin verließ Agga den Versammlungsort und ging auf Carmi zu, die abseits nachdenklich auf die sichtlich ruhiger gewordenen Heere starrte.
    ICH BIN DIE TAGE OHNE NEUIGKEITEN LEID!! HAST DU VON DEN HALBGÖTTERN UGAS ETWAS IN ERFAHRUNG BRINGEN KÖNNEN?? WAS IST MIT DEM GEFANGENEN???


    „Ich habe die Diener Ugas unauffällig ausgefragt. Wie es aussieht wissen Sie nichts über den Verbleib Paffis. Von Feeble weiß ich, dass sie sich große Sorgen um Nicknehm machen, er scheint auf einer wichtigen Mission zu sein. Feeble meinte, dass Nicknehm sehr geheimnisvoll war und von einer mysteriösen Gefahr für uns alle sprach.“ sagte Crami mit ihrer weichen Stimme. „Kirkalot straft den Gefangenen mit der schlimmsten Folter, aber der Unbekannte schweigt. Er scheint ein sehr willensstarker Mann zu sein. Es ist bestimmt nicht der Fehler von Kirkalot.“


    Agga sah Carmi eine Sekunde wütend an, beruhigte sich dann aber wieder. Niemandem außer Carmi ließ er sowas durchgehen, aber die Gespäche mit ihr waren immer äußerst fruchtbar.
    NA GUT CARMI, DANN HILF MIR DENKEN. FIRAKS SPÄHER ENTDECKEN NICHTS, KIRKALOTS FOLTER FÜHRT ZU NICHTS, DEINE NACHFORSCHUNGEN ERGEBEN AUCH NICHTS. WELCHE MÖGLICHKEITEN BLEIBEN MIR??? fragte Agga in einem für ihn äußerst ruhigem Ton.
    „Herr, ich weiß, wie weh dieser Gedanke tut, aber Du mußt die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass Paffi entweder tot oder tatsächlich ein Verräter ist.“


    VERRAT??? VON MEINEM EIGENEN HALBGOTT?? Agga kochte. Aus seinen Nasenhöhlen schnaubte er dunklen Rauch.
    „Ich weiß, dass es gegen Deine Vorstellung ist, aber befrage doch noch einmal den Fremden. Er hat sich als äußerst zäh und willensstark erwiesen. Noch kein Sterblicher hat der Folter Kirkalots so widerstanden. Vielleicht kann er Dir wirklich nützlich sein. Wenn seine Informationen keinen Nutzen für Dich haben, kannst Du ihn immer noch mit dem Tode bestrafen!“


    NIEMALS!! KEIN STERBLICHER STELLT FORDERUNGEN AN MICH!! ER SOLL IM EWIGEN FEUER VON PAFFIS SCHMIEDEN SCHMOREN!! WEIS KIRKALOT AN, DIE FOLTER ZU VERSTÄRKEN!!!
    Carmi ging Gedanken verloren davon und sinnierte, dass der Unbekannte ausgerechnet gegen Feuer ausgesprochen abgehärtet zu sein schien.