Beiträge von Ein Chronist

    Re: Kyrahs Rückkehr


    Kyrah kehrte in ihre privaten Räume zurück. Immer noch kochte sie vor Wut, achtlos warf sie die zurück geholten Bruchstücke in einen Sessel.
    „Diese ungläubigen Ratten, diese Schwachköpfe! Meinen sich mit mir anlegen zu können! Sie folgen den falschen Göttern!“


    Sie seufzte und nahm eine Steinplatte in die Hand, die sie während ihrer Abwesenheit erreicht hatte.
    „Ah, aber ich habe auch treue Verbündete. "Die Geächteten" folgen mir! In guter Absicht hatten sie einige Bruchstücke für mich eingesammelt. Ja, sie folgen dem richtigen Wege!“ Sie hielt inne und begutachtete die neu gefundenen Bruchstücke.
    „Ich werde sie entlohnen und Ihnen ein wenig Unterstützung gewähren! Ja, das werde ich!“


    Kyrah ging zu dem Sessel mit den anderen Bruchstücken und musterte sie.
    „Zuerst werde ich die alten und neuen Bruchstücke verschmelzen, ich hoffe, dass ich jetzt alle beisammen habe. Ich muss natürlich auch noch die Steintafel entziffern. Sie enthält vermutlich Hinweise auf das letzte Ritual. Anschließend werde ich meinen untergebenen Stamm "Die Geächteten" entlohnen und einen endgültigen Plan gegen Uga und Agga schmieden. Und auch mit Enzio muss ich mich auseinandersetzen!“
    Sie überlegte.


    „Zuviele Fehler wurden gemacht. Ja, ich habe die Brüder unterschätzt. Aber in weiser Voraussicht habe ich meine Streitmacht nicht in meinen anfälligen Höhlen gesammelt, sondern still im Verborgenen. Meine Wächter sind bereits bei mir eingetroffen und haben die Artefakte eingesammelt. Der Rest wird folgen!“


    Eine längere Pause entstand, während dessen Kyrah sichtlich mit sich selbst rang.
    „Mit Enzio an meiner Seite muss ich einfach siegreich sein!
    Ha! Auf geht’s, ich habe Pläne. Diese kleinen Rückschläge werden mich nicht aufhalten! Schon bald werden Uga und Agga meine wahre Macht spüren.“

    Kyrah war sauer.


    "Enzio, was geht hier vor? Kaum verlasse ich an Deiner Seite mein Heim, scheint sich hier im Tals alles gegen mich zu wenden!" sie kochte vor Wut.
    "Mein Heim geplündert, der innere Kreis geöffnet, umgeben von den Gefolgsleuten der falschen Götter! Enzio, wie konnte dies geschehen?"


    Enzio blickte auf die im Tal Iskra gefundenen Steintafeln.
    "Ich habe Dich schon weit vor der erstmaligen Rückkehr in dieses Tal gewarnt, dass die Zeit instabil ist. Unsere neuerlichen Zeitsprünge haben das Konstrukt weiter geschwächt. Diese Schwäche haben sich die zwei Brüder zu Nutze gemacht."


    Kyrah war mit der Antwort offensichtlich nicht zufrieden. Forschend blickte sie ihm in die Augen.
    "Ich werde mir jetzt mein gesamtes Eigentum zurückholen und die Angreifer strafen. Anschließend hoffe ich Du hast eine bessere Erklärung für Dein Versagen!"

    Re: Die Versammlung


    Während die Versammlung unterbrochen war horchten Carmi, Trubatsch und Slavomir auf Veränderungen in der Raumzeit. Alles war gerichtet.


    Slavomir begutachtete ein letztes Mal seine rituellen Federn, die zwar keinen Zweck erfüllten, aber einfach gut aussahen, als Carmi plötzlich kalkweiß wurde und schrie: „Es ist soweit!“


    Ohne ein weiteres Wort begannen die drei mit ihren Ritualen, während die anderen Halbgötter unter Führung der beiden Brüder herantraten.


    LASSEN WIR DIE SPIELE BEGINNEN!! KYRAH WIRD KEINE RUHIGE MINUTE MEHR HABEN!!
    „Die Eiskönigin wird bald feststellen, dass die Macht der beiden göttlichen Brüder und ihrer Halbgötter weitaus größer ist, als sie sich jemals erträumen konnte!“


    Schweigend konzentrierten sich alle Anwesenden und versorgten die wortlosen Formeln mit ausreichend magischer Energie.
    Nach einer halben Stunde sank Carmi erschöpft zusammen, so dass Trubatsch sie stützen mußte.
    „Es ist vollbracht! Wir haben deutlich Kyrah Schutzzauber gespürt, aber wir haben es schließlich geschafft!“
    Slavomir hatte das Gefühl trotz seines Kopfschmuckes nicht beachtet zu werden. „Auch ich habe meine Aufgabe erfüllt! Unsere Gefolgsleute sind ab sofort schneller unterwegs!“


    Uga lächelte und legte Agga eine Hand auf die Schulter.
    „Siehe Bruder, so wird der Zeit kommen, wo die beiden Brüder Seite an Seite in den Krieg ziehen!“
    MEIN BRUDER, ICH KANN ES KAUM ERWARTEN!! UND ICH FREUE MICH, DIR HINTERHER WIEDER IN DER SCHLACHT GEGENÜBER ZU STEHEN!! erwiderte Agga.
    „Du bist unverbesserlich!“ sagte Uga. Aber er lächelte weiter. Endlich ging es voran.

    Re: Die Versammlung


    Die Versammlung war erneut zusammen getreten, als Eskaler wieder das Wort ergriff.


    „Aus unseren eigenen Reihen hat Skali einige dieser Artefakte verkauft, was bei uns zu großen Unmut geführt hat. Inzwischen hat sich Skali erklärt. Nach eingehender Prüfung der Artefakte war ihm klar geworden, dass keiner von uns diese Artefakte nutzen könnte.
    Im Gegenteil, Skali berichtete von starken negativen Auswirkungen. Entsprechend wollte Skali diese Artefakte loswerden, bevor Kyrah selbst merkte, dass er im Besitz dieser war und ihm einen unfreundlichen Besuch abstatten würde. Skali ist nun einmal ein guter Preispirat und hat den für sich größten Profit herausgeschlagen.“ sprach Eskaler.


    „Aktuell sind die Artefakte wieder bei einigen Talbewohnern, nachdem zumindest ein Teil kurzzeitig verschwunden war. Nach dem erneuten Auftauchen gehen wir davon aus, das diese bei Kyrah waren.“ Eskaler hielt inne.
    „Entweder wußte sie nichts von diesen Artefakten, da sie das Tal zu diesem Zeitpunkt schon verlassen hatte, oder was ich für ebenfalls richtig halte, es war ihr egal. Sie wird wissen, dass keiner außer ihren Gefolgsleuten die Artefakte nutzen kann.“


    Ein Bote kam mit tiefer Verbeugung herein und reichte Nebrot eine Steintafel.


    LASST UNS IHRE ABWESENHEIT NUTZEN UND IHRE HÖHLEN SCHLEIFEN!! rief Agga.
    „Wird uns nicht viel nutzen, da wir wie Firak schon berichtete, davon ausgehen, das Kyrah ihre Streitmacht vor uns geschützt hat. Bedenke, dass wir die volle Bandbreite ihrer Kräfte noch nicht kennen.“ sprach Uga.
    ABER ICH WÜRDE MICH BESSER FÜHLEN!!
    „Du fühlst Dich auch besser, wenn Du einen Käfer zerquetscht!“ antwortete Uga als Nebrot aufsprang und das Wort ergriff.


    „Ich habe soeben wichtige Neuigkeiten erhalten! Die Angreifer haben sich zu erkennen gegeben. Bloodman vom Stamme corvus corax bittet mich um Entschuldigung und erläuterte mir seine verwerfliche Tat!“ Stille trat zwischen die streitenden Brüder.
    „Sie erkannten meine Abwesenheit und meine Schwäche in diesem Klima und nahmen den Widerstand gegen Kyrah selbst in die Hand. Aus welchen Gründen auch immer vermuteten sie die Bruchstücke bei mir und haben mich angegriffen. Ebenso sind sie für die Angriffe auf Enzio und schließlich auf Kyrah verantwortlich. Sie handelten, weil sie Uga und auch Agga beistehen wollten. Sie hoffen in Eurem Sinne gehandelt zu haben!“


    Uga lächelte. „Sehr schön. Wir können doch auf unsere Getreuen bauen. Der Angriff auf Nebrot sei Ihnen verziehen, aber wir können sicher sein, dass Kyrah und Enzio keinen Urlaubsausflug machen. Sie werden weitere Bruchstücke entdeckt haben und damit zurückkehren. Für diesen Zeitpunkt müssen wir uns vorbereiten. Wir denken, dass wir entdeckt haben wie wir Kyrah schwächen können! Der innere Kreis ist der Schlüssel!“


    Trubatsch erhob sich und erläuterte „Wie ihr wisst, ist es bereits gelungen, eine der vier Regionen zu öffnen. Aber die drei verbleibenden scheinen deutlich besser geschützt zu sein. Kyrah hat wohl nachgebessert!“ Slavomir murmelte. „Bis jetzt!“
    „Ja, bis jetzt! Der neuerliche Zeitsprung hat die Schutzmaßnahmen deutlich geschwächt! Wir gehen davon aus, dass wir den Schutz durchdringen können, sobald Enzio einen weiteren Zeitsprung initiiert! Und dies wird vermutlich bald erfolgen, wenn die zwei zurückkehren wollen!“


    „Das sind die ersten wirklich guten Nachrichten!“ meinte Carmi. „Aber wir müssen diese Schwäche auch aktiv nutzen! Dies ist uns bei der ersten offenen Region des inneren Kreises noch nicht gelungen!“
    „Ja, liebste Carmi, auch dafür haben wir eine Idee!“ lächelte Trubatsch. „ Wir werden dafür sorgen, dass sich unsere treusten Gefolgsleute in den inneren Kreis einschleusen können, damit der Druck auf Kyrah weiter erhöht werden kann. Wir werden es jedem ermöglichen dort eine neue Höhle zu beziehen!“
    Slavomir ergänzte „Ich werde gleichzeitig für ein wenig mehr Wind im Tale Noktardem sorgen. Ein wenig Rückenwind hilft unseren Getreuen sicherlich!“


    Uga nickte zufrieden.
    „Mit diesen Maßnahmen werden wir Kyrah verärgern. Und genau da sehe ich unsere größte Chance. Da Enzio uns diese Möglichkeit indirekt eröffnet müssen wir auch dort ansetzen! Enzio wird weiter in unseren Fokus rücken müssen, aber dazu nach einer neuerlichen Pause.“
    MEIN SOHN IST IMMER IN MEINEM FOKUS!!

    Eine so vollständige Versammlung hatte es sehr lange nicht mehr gegeben.
    In Ugas Versammlungshöhle waren die Brüder mit all ihren Halbgöttern und den Preispiraten zusammengekommen.


    Eskaler hatte das Wort.
    „...Nebrot und Firak beobachteten Kyrah und Enzio seit geraumer Zeit und berichteten von emsigen Treiben in deren Höhlen, das schließlich im Aufbruch der beiden gipfelte.“ Er nickte Nebrot zu.
    „Danke Eskaler. Während Firak die Höhlen weiter im Auge behielt, heftete ich mich an die Fersen unserer Gegner. Sie marschierten geradewegs auf den Schwarzen Gipfel der Einsamkeit, wo Enzio offensichtlich ein Ritual für einen Zeitsprung vollführte. Dort verlor ich ihre Spur schließlich.“ sagte Nebrot, der sehr betrübt wirkte.


    Firak setzte an. „Die Höhlen waren erstaunlich schlecht gesichert. Dies erhärtet meinen Verdacht, dass wir bisher nur einen Bruchteil der eigentlichen Streitmacht Kyrah erblicken konnten. Sie scheint sie nicht in ihren eigenen Höhlen auszubilden.“
    „Doch etwas weitaus interessanteres konnte ich beobachten. Jeweils eine Höhle der beiden wurde von einer unbekannten Armee angegriffen und niedergerissen. Wir können aktuell noch nicht einordnen was das Ziel dieser Angriffe war, vor allem vor dem Hintergrund weiterer Geschehnisse, wobei wir einen Zusammenhang mit den Artefakten vermuten.“
    Firak setzte sich und blickte zu Nebrot.


    Gemurmel erklang zwischen den Anwesenden.
    „Bitte, bevor wie eifrig diskutieren soll Nebrot noch etwas berichten.“
    Nebrot erhob sich erneut. „Nachdem ich von der Beschattung der beiden in meine bescheidene Höhle heimkehrte, mußte auch ich feststellen, dass mein Heim niedergerissen war! Firak und ich sind der Ansicht, dass es sich um die selben Angreifer wie bei Kyrah und Enzio handeln könnte!“


    Über das neu aufflammende Gemurmel brüllte Agga.
    EIN ANGRIFF AUF EINEN HALBGOTT MEINES BRUDERS? WAS FÜR EINE STREITMACHT IST DA INS FELD GEZOGEN, DASS DIES MÖGLICH IST? UND WIEVIELE TOTE HABEN EURE GEGENANGRIFFE GEFORDERT?
    „Die Streitmacht war überschaubar. Da ich mich in diesem lebensfeindlichen Tal nicht besonders wohl fühle, habe ich mein Heim nicht sonderlich gesichert. Meine Verluste sind gering, aber ich trauere um jedes Leben!“ erwiderte Nebrot.
    UND DEINE RACHE??
    „Nach Absprache mit den Preispiraten haben wir bisher auf eine Bestrafung verzichtet, da wir den Angreifer durch die zeitnahen Angriffe auch auf Kyrah und Enzio nicht einordnen können.“
    Agga lachte schallend. MEIN BRUDER, DU UND DEINE HALBGÖTTER SIND NOCH WEICHLICHER ALS ICH DACHTE!!! BLUMEN, FRÜCHTETEE, EIN PAAR NETTE WORTE UND EINE HERZLICHE EINLADUNG ZUM ANGRIFF? DARFS EIN BIßCHEN MEHR SEIN, DER HERR? WIE SIE BRAUCHEN NOCH ROHSTOFFE, KOMMEN SIE VORBEI ICH HABE GENUG?? Aggas Halbgötter fielen in das Gelächter ein.
    MEIN BRUDER, ES SCHEINT ALS OB DICH DER FEHLENDE ZWEIKAMPF MIT MIR NOCH SCHWÄCHER GEMACHT HAT!!


    Uga lächelte und wartete den Sturm des Gelächters ruhig ab. „Bruder, sei Dir gewiß, gegen Dich halte ich selbst mit verbundenen Augen und zwei Armen auf dem Rücken noch stand“ Agga funkelte ihn an und wollte Uga eine weitere Schmähung entgegen werfen als Eskaler wieder die Stimme erhob.
    „Es reicht, danke! Bitte bedenkt, dass wir alle einen gemeinsamen Feind haben und laßt die alten Streitigkeiten für die Zeit Eures Bündnisses ruhen. Eine Gegenreaktion wäre nicht ratsam gewesen, aber dazu kommen wir noch im Zusammenhang mit den Artefakten. Vorher machen wir eine kurze Pause, damit ihr Euch über die Geschehnisse austauschen könnt!“

    Re: Die Geschichte der Preispiraten


    Der Schwarm Drachensegler, der gerade über Ugas Höhle kreiste, verfolgte ein unscheinbares Treffen, welches andere Augenzeugen mit deutlich mehr Beachtung gewürdigt hätten.


    Es gab keinen Zweifel, Agga saß bei Uga am Lagerfeuer und lauschte mit diesem zusammen den Schilderungen Eskalers:


    "Einst waren wir Preispiraten ein mächtiges Volk von Händlern. Wir hatten sogar Gefährte, mit denen man Wasser befahren konnte, wir handelten mit fernen Völkern aus anderen Tälern.
    Skali, der Händler, den ihr ja alle kennt, ist eigentlich auch ein Preispirat. Er stammt von einer alten Herrscherfamilie ab, und hat sich nach den alten Werten unseres Volkes für das einsame, aber lohnende Leben als Händlernormade entschieden.
    Schon vor Urzeiten haben wir an der Seite unserer Göttin Mercina gegen die Eisgöttin gekämpft. Nach unzähligen Intrigen und offenen Schlachten haben wir sie vernichtend geschlage...zumindest dachten wir das bis zu ihrem Autauchen in Thoka.


    Mercina hatte damals in ihrer göttlichen Weisheit eine Rüstung entwickelt, die Ihre Kräfte verstärkte und sie unbesiegbar erscheinen ließe.
    Schließlich kam es zum großen Zweikampf zwischen Mercina und Kyrah. Ohne Vorwarnung und ohne ersichtlichen Auslöser wurde der Zauber der Rüstung von Kyrah gebrochen. Bis heute wissen wir nicht wie genau es passierte, aber die Rüstung zerbarst in unzählige Splitter, die über die Grenzen des Tals hinaus verteilt wurden.
    Ohne ihren mächtigen Schutz ihrer Rüstung wurde Mercina tödlich verwundet, aber auch Kyrah schien damals tödlich verletzt aus dem Kampf gegangen zu sein.


    Wir dachten, sie habe sich zum Sterben irgendwohin in das Eisige Gebirge zurückgezogen. Umso entsetzter waren wir vor einigen Jahren, als wir zum ersten Mal die Spuren entdeckten, von denen die Lieder unserer Vorfahren berichteten.


    Heute haben wir durch unsere Quellen die letzte Bestätigung: Kyrah ist auf der Suche nach den Bruchstücken der Rüstung. Wie ihr wißt hat sie bereits einzelne Teile an ihre Gefolgsleute ausgegeben, auf dass diese sie untersuchen und zusammenfügen mögen. Wir kennen die genaue Anzahl nicht, aber wir vermuten noch weit mehr Bruchstücke. Sollte sie jemals in den Besitz sämtlicher Einzelteile kommen und in der Lage sein, die Rüstung neu zu schmieden, dann sind wir alle verloren."


    Uga wandte sich Agga zu. "Bruder, wir müssen uns endgültig verbünden. Kyrah darf diese Einzelteile nicht in ihren Besitz bringen. Wir haben natürlich Zeit gewonnen, da Kyrah die bisher gefundenen Bruchstücke nicht an einen einzigen Herrscher ausgegeben hat. Wenn wir uns auf eins verlassen können, dann auf die Zwietracht zwischen den Stämmen!"


    Agga grübelte. "DIESEM SKALI. ICH TRAUE IHM NICHT! AUF MEIN GEHEIß HIN HAT FIRAK IHN IM AUGE BEHALTEN! SKALI BEREITET ANSCHEINEND EINE GROßE AUKTION VOR, UND ICH BIN MIR ZIEMLICH SICHER, DASS ER IM BESITZ VON WEITEREN BRUCHSTÜCKEN IST!"
    Eskaler nickte betrübt. "Ja, mit Skali haben wir uns leider überworfen!"

    Re: Die Überlieferung der Arche


    Enzio jubilierte! Es war geglückt!


    In dem Moment, in dem die insgesamt zweiundsechzig Kreaturen durch das Portal schritten, ergab sich eine Veränderung. Wie eine Schockwelle breitete sich diese Veränderung über das Tal aus.


    Kyrah blickte erfreut, überließ den Augenblick aber ganz Enzio.
    "Wir haben es geschafft! Wir haben die Prohezeiung erfüllt! Ich bin selber gespannt welche Auswirkungen dies auf das Tal hat!"


    Später standen Kyrah und Enzio gemeinsam Seite an Seite auf Enzios Turm des Wissen und begutachteten die Veränderungen. Die Bruchstücke hatten sich verändert.
    "Werden sie damit umgehen können?" fragte Enzio nach einer Weile.
    "Sie müssen! Und nur die stärksten haben es verdient diese heiligen Bruchstücke zu besitzen!"

    Re: Die Überlieferung der Arche


    "Haben unsere Gefolgsleute die Überlieferung entschlüsselt?" fragte Kyrah neugierig.


    Enzio erwiderte gereizt:
    "Meine Gefolgsleute haben mir zahlreich zur Hilfe gestanden! Ich denke sie haben die Überlieferung endgültig entschlüsselt. Ich muss jetzt nur noch die richtige Lösung heraussuchen!"


    "Vergiß nicht sie alle reich zu entlohnen, wir sind weiterhin auf zahlreiche Gefolgsleute angewiesen." gab Kyrah zu bedenken.
    "Ich habe bisher alle unsere Gefolgsleute entlohnt, also werde ich es auch diesmal erledigen. Ich bin mir sicher, dass die Belohnung mehr als Zufrieden stellend sein wird, selbst für die Gefolgsleute, die mir nicht die einwandfrei richtige Lösung geliefert haben." sagte Enzio.


    "Sobald ich die richtige Lösung habe, werde ich die ersten Kreaturen durch das Portal schicken. Wenn alles nach Plan läuft so werden wir die Auswirkungen an den Bruchstücken sehen. Wir dürfen mehr als gespannt sein!"

    Re: Die Überlieferung der Arche


    Kyrahs neues Interesse an seiner Tätigkeit nervte Enzio schon wieder.
    Zweimal am Tag stand sie in der Tür und fragte nach Neuigkeiten, ob Enzios Anhänger endlich die Prophezeiung enträtselt hätten.
    Jedesmal mußte Enzio sie wieder wegschicken und darauf hinweisen, dass es nicht immer so schnell geht aus uralten Texten den tatsächlichen Zusammenhang zu erschließen.


    Enzio hoffte auf viele weitere Deutungen der Überlieferung, so dass er alle möglichen Übersetzungen hatte. Aus denen würde er schon die richtige herausfiltern.
    Er las über die ersten bei ihm eingangenen Lösungen ein weiteres Mal drüber und glich diese mit dem Text der Überlieferung ab.
    "Kann das denn richtig sein? Ah ja, dass scheint mir logisch...hmm...Kreaturen...hmm...ja...vor dem Einfluss...ah ja richtig...ein schöner Gedanke...der Ziffern...gut.“
    Enzio blickte auf die letzte Steintafel, die er von Kyrah erhalten hatte und runzelte die Stirn.


    Kyrah betrat mit lautem Getöse den Raum.
    "Enzio! Ich habe Nachricht unserer Späher erhalten! Enzio!" Enzio drehte verärgert den Kopf über diese neuerliche Störung. "Enzio! Agga hat ein Treffen mit seinem Bruder und was noch schlimmer ist mit Eskaler dem Preispiraten einberufen! Ich bin mir sicher, dass sie über die Bruchstücke beraten! Eskaler wird ihnen die ganze Geschichte erzählen." Kyrah hielt entzürnt inne.


    "Ich habe Dir mehrfach gesagt, dass Du Uga und meinen Vater nicht unterschätzen sollst. Sie sehen alles, und wenn sie reagieren dann auch heftig. Sei Dir sicher, dass Du nicht mehr die Einzige sein wirst, die nach der verschollenen Bruchstücken sucht!" sagte Enzio unaufgeregt.

    Agga stand über einer kleinen Nachbildung des Tales Noktardem gebeugt als Firak geräuschlos durch die offen stehende Tür glitt.
    "Nun Firak, was berichten Deine Späher?" sagte Agga in seiner sehr selten genutzten Stimme für beiläufige Unterhaltungen.
    Firak fluchte leise, dass es ihm wieder nicht gelungen war sich unbemerkt seinem Herrn zu nähern.
    "Herr, ich habe keine neuen Informationen über die Herkunft der Bruchstücke. Kyrah hat sie an einige Untertanen ausgegeben, doch ihr Ursprung liegt im Dunkeln. Wie es scheint ist es einigen Häuptlingen gelungen diese winzigen Bruchstücke zu verschmelzen. Mehr ist nicht bekannt." Firak konnte selbst an dem ihm zugewandten massiven Rücken von Agga seinen aufkommenden Zorn erkennen.


    Firak hatte gelernt Agga erst die schlechten Nachrichten zu übrbringen, und dann mit den erfreulichen herauszurücken.
    "Herr, ich habe aber jemanden, der Euch vermutlich deutlich mehr Informationen geben kann!"
    Agga drehte sich um und seine Miene zeugte von Zufriedenheit, doch seine Stimme machte deutlich, dass er Firak ein Versagen nicht verziehen hätte. "ICH WUSSTE IHR WÜRDET MICH NICHT ENTTÄUSCHEN!"


    Firak winkte durch die offene Tür. Hinein wippte ein Mann, dessen Anblick alleine für einen gequälten Gesichtsausdruck bei Agga ausreichte.
    "Sie haben gerufen, oh Fürst der Vernichtung?" spottete Skali fröhlich drauf los.
    Agga verdrehte die Augen, er konnte diesen viel zu bunt und viel zu fröhlichen Händler einfach nicht leiden.
    "SKALI, GIB MIR ALLE INFORMATIONEN; DIE DU ÜBER DIE BRUCHSTÜCKE VON KYRAH HAST!"


    Skali grinste und deutete eine tiefe Verbeugung.
    "Oh Herr des Krieges, ich werde natürlich mein Wissen ohne jedwege Gegenleistung mit Euch teilen, nichts würde mich glücklicher machen!"
    "SPANNT MEINE GEDULD NICHT AUF DIE PROBE, IHR WERDET EINE ANGEMESSENE BELOHNUNG ERHALTEN!"


    Skali nickte und begann zu erzählen.
    "Die Bruchstücke entstammen vermutlich von einem mächtigen Artefakt aus dem Zeitalter von Kyrahs alten Herrschaft. Damals wurde ein sehr mächtiges Artefakt zerstört, es zerbarst in eine unbekannte Anzahl von Einzelteilen, die sich über die Grenzen des Tals hinaus verteilten."
    Aggas Neugier war geweckt. "EINE MÄCHTIGE WAFFE? WO FINDE ICH DIESE EINZELTEILE? WIEVIELE BRUCHSTÜCKE SIND ES? SPRICH!"


    "Mein fürchterlicher Agga, ich bin nur ein einfacher Händler. Ich bezweifle sehr stark, dass bereits sämtliche Bruchstücke gefunden wurden, ihre genaue Anzahl ist aber wie schon erwähnt unbekannt! Eine Waffe? Mag sein, ich weiß es nicht!"


    Da Agga nicht sofort reagierte, stellte Firak die nächsten Fragen.
    "Du sprichst von einem mächtigen Artefakt aus Kyrahs alter Herrschaft, Skali. Du scheinst noch weit gereister zu sein, als wir annahmen." Firak musterte Skali kurz. " Kennst Du die Geschichte dazu? War Kyrah selbst im Besitz dieses Artefaktes? Wie kam es zu der Zerstörung?"
    Leicht verägert, dass nicht der leicht zu reizende Agga die Fragen weiter stellte, antwortete Skali mit ungewohnt leiser Stimme. "Bei Mercina, ich bin weit gereist! Aber ich war schon damals ein Händler, kein Krieger oder Geschichtsschreiber. Für genauere Information bezüglich der Herkunft und Geschichte dieses Artefaktes solltet ihr den Anführer der Preispiraten Eskaler befragen." Stellte Skali fest.
    "Wenn ich euch den Hinweis geben darf, oh mein gewaltbereiter Meister, sprecht auch mit Eurem Bruder. Nur gemeinsam solltet ihr Kyrah gegenübertreten!"


    Agga wandte sich Firak zu.
    "SCHICK UMGEHEND EINEN BOTEN ZU ESKALER!" Firak wartete. "JA, AUCH ZU MEINEM BRUDER: WIR MÜSSEN UNS SO BALD WIR MÖGLICH TREFFEN!"
    Firak verließ rasch das Zimmer. Agga wandte sich wieder der Nachbildung des Tales zu und schien keine weitere Notiz von Skali zu nehmen.
    "Oh Herr der Finsternis, ich werde bald ein paar Gegenstände zum Verkauf anbieten, die Euer göttliches Interesse wecken sollten!"


    "VERSCHWINDE ENDLICH!" herrschte Agga ihn an.

    Re: Die Überlieferung der Arche


    Kyrah kam mit lauten Schritten in den Raum und rief sehr laut nach Enzio.
    Doch Enzio sass in seinem Lieblingssessel und war offensichtlich über der Lektüre einiger Steinplatten eingeschlafen.
    "Enzio, warum hörst Du nicht?" rief Kyrah erneut, doch der Schlafende hörte weiterhin nicht.
    Schließlich stieß Kyrah Enzio ziemlich unsanft an. "Enzio!"


    Schlaftrunken schreckte Enzio hoch und sein überraschter Blick fiel auf Kyrahs zorniges Gesicht. Verlegen nahm er die Ohrenstöpsel heraus. Kyrah beobachtete ihn abschätzig.
    "Du scheinst wirklich einen leichten Schlaf zu haben." Kyrah warf ihm einen kühlen Blick zu. "Ich habe Neuigkeiten die Dich interessieren werden! Auf dem Schauplatz des Kampfes meiner Brontosaurier habe ich ein kleines Trümmerteil entdeckt, was vielleicht zu den anderen passt, die ich Dir schon vor einiger Zeit beschafft habe."


    Enzio war sofort hellwach und sprang auf.
    "Was? Eine weitere? Wie ist das möglich? Zeig sie mir!" Kyrah sah über den Befehlston hinweg und gab Enzio die deformierte Platte.


    Enzio strich über die Vertiefungen, die einen Text mit vielen Lücken darstellten und las bedächtig vor.
    "eachtet...nicht alle sind...wert gerett...icht die Auserwählten...weder die Legieru...as Pulver...kein Holz der Eic...und schon gar nic...die riesigen...lisken...der Sohn wird...die Arch...wird erneut unt..." Enzio runzelte die Stirn, da er auf den ersten Blick keinen Zusammenhang herstellen konnte, doch sein Blick erhellte sich als er weiter unten noch zwei fast vollständige Sätze lesen konnte.
    "...drei Hand voll wird der Sohn des Krieges...erst dann werden sich auch die Bruchstücke des Eises...weitere werden..."


    Enzio hob überrascht den Kopf und sah Kyrah an, die triumphierend lächelte.
    "Wie es scheint, sind unsere Wege noch enger verknüpft als wir bisher geglaubt haben! Bitte mein lieber Freund, weihe mich in Dein Wissen ein, ich möchte alles über die Überlieferung wissen."

    Re: Die Überlieferung der Arche


    Aus weit entfernten Räumen war eine klare Stimme zu hören.
    „Oh, Kyrah, wunderschöne Göttin des Eises...“
    Enzio seufzte. Kyrah war zurückgekehrt und mit ihr leider auch die Barden, die immer noch die Oden vortrugen. Enzio wühlte nach seinen Ohrenstöpseln und las weiter in den alten Überlieferungen aus Iskra.


    „...und der Sohn des Krieges wird die Heerscharen der ältesten Krieger um sich versammeln...“ las Enzio und blickte auf einen matt glänzenden Stein der Zeit und dachte kurz an seine treuen Gefährten, die er darin eingeschlossen hatte „...in der Vergangenheit wird der Sohn des Krieges erneut den Fortbestand der Zeit sicherstellen...“ Enzio las zum wiederholten Male die dort angegebenen Formeln und glich sie wieder einmal mit den bisher im Tale gesichteten Kreaturen ab.


    Er war sich seiner Sache immer noch genau so sicher wie damals.
    Er ist der Sohn des Krieges, er muss den Fortbestand sichern. Die Neanderthaler hatte er bereits gerettet und in Sicherheit verwahrt. Doch die neu entdeckte Überlieferung spricht von weiteren Kreaturen.


    „Ich werde versuchen die Angaben so genau wie möglich in die Sprache der Talbewohner zu übertragen. Jegliche Abweichungen wären fatal, die Zahlen müssen genau stimmen.“


    Enzio murmelte gedankenverloren die wichtigsten Passagen der Überlieferung vor sich hin.
    „...der Sohn des Krieges...Vernichtung des Lebens...Rettung der Kreaturen...vor dem Einfluss der Abgesandten der Götter...die Gaben der Felder...bei der Entstehung des Lebens...die Summe der Ziffern...“


    Enzio grübelte.
    „Ich bin mir sicher, dass mit den Kreaturen die Lebewesen dieses Tals gemeint sind. Der Part mit den Abgesandten ist ja mehr als eindeutig, das werden die Talbewohner ohne weiteres verstehen.“
    Enzio blickte auf den letzten Teil und neigte den Kopf zum Nachdenken. „Ah, ich verstehe, die Anzahl wird so bestimmt. Raffiniert!"


    Enzio nickte und überlegte weiter.
    "Am besten lasse ich mir die Kreaturen direkt zum Portal schicken, dann kann ich die sofort in Sicherheit bringen. Ich hoffe meine Anhänger werden den Text richtig deuten und ihre Lieferungen in einer enizigen zusammenfassen. Muss ich erwähnen, dass sie nicht unter den Augen meines Vaters laufen sollen? Nein, sie sind schlau, sie denken mit. Mein Vater muss nicht alles wissen. Ich werde ihm früh genug gegenüberstehen!"
    Enzio lehnte sich zurück. Ja, mit dieser Aufgabe würde er an die Talbewohner herantreten.

    Enzio war froh endlich mal alleine zu sein.
    Kyrah war ausgeritten um sich ein Bild von dem Kampf ihrer Brontos zu machen. Sie ging ihm zur Zeit mächtig auf die Nerven.
    "Dieses ständige Gerede von den Bruchstücken." murmelte Enzio.


    Enzio blickte auf seine Steinplatten.
    Kyrah hatte keine Ahnung wie wichtig ihm diese Überlieferungen waren. Schon einmal war er dem Ruf dieser Prophezeiung gefolgt und hatte das damalige Tal ziemlich überstürzt verlassen, um die Neanderthaler zu retten.
    Damals war Enzio noch nicht im Besitz dieser zusätzlichen Steintafeln. Dank Kyrah waren sie ihm in die Hände gefallen und die neuen Erkenntnisse hatten ihn überwäligt. Nie wäre es ihm in den Sinn gekommen, dass er selber eine entscheidende Rolle zu spielen hatte.


    Doch zuerst galt es die Schriften endgültig zu enträtseln. Die Talbewohner werden ihm helfen seine Aufgabe zu lösen. Enzio war sicher genug Unterstützung unter den Häuptlingen zu genießen. Die Verbundenheit zu ihm ging bei vielen wesentlich tiefer als zu Kyrah.


    Sie hatten bereits in einigen vergangenen Zeitaltern einen gemeinsamen Weg beschritten.

    Re: Kyrahs Gefolge


    Kyrah zählte die Steinplatten ein weiteres Mal.
    "Einunddreißig! Das sind nur einunddreißig!" polterte sie.


    "Herrin, leider ist eine Abordnung unserer Brontosaurierboten in einem wilden Schneesturm vom Wege abgekommen. Wir werden sie erst sehen können, wenn der schwere Sturm abgeklungen ist!" stammelte ein kleiner Tick-Tack-Mann, der innerlich gerade mit seinem Leben abschloss.


    Kyrah erhob sich drohend. "Und wann wird das sein? Die Auslieferung der Bruchstücke ist von allerhöchter Wichtigkeit! Ich hoffe von meinen Anhängern neue Hinweise auf die Verwendung zu erhalten, ich will das mächtige Artefakt wieder vereinen!"


    "Deine Schamanen haben ein Abklingen des Sturms für den zwanzigsten Tag dieses Monats vorausgesagt. Wir werden sie sofort suchen und kontaktieren und das wertvolle Bruchstück sichern!" meinte der kleine Tick-Tack-Mann, der einen kleinen Silberstreif am Horizont seiner kurzen Lebenserwartung sah.


    Kyrahs Blick wurde kalt.
    "Ich werde dies meinen treuen Anhängern mitteilen! Sollen diese unfähigen Brontosaurier ihre gerechte Strafe erhalten!"
    Kyrah lächelte. "Und wir zwei...wir werden uns jetzt mal ein wenig unterhalten!"

    Re: Kyrahs Gefolge


    Immer wieder hallten feierlich vorgetragene Oden durch die weitläufigen Korridore.
    Enzio seufzte. An eine ungestörte Lektüre der alten Aufzeichnungen war zur Zeit nicht zu denken.
    Dabei waren sie für ihn von höchster Dringlichkeit, selbst Uga und Agga standen für Enzio hinter dieser wichtigen Aufgabe zurück.


    Enzio seufzte erneut und flog über eine Ode, die Kyrah ihm hingelegt hatte.


    Enzio lächelte flüchtig und machte sich auf, um mit Kyrah das weitere Vorgehen zu besprechen.
    Er hoffte dies schnell hinter sich zu bringen und schon bald wieder seine alten Aufzeichnungen studieren zu können. Es gab eindeutig wichtigeres als Lobpreisungen irgendwelcher Häuptlinge.
    Für solche banalen Dinge wird er nicht seine treuen Gefährten herausgeben, da muss sich Kyrah schon was anderes einfallen lassen.

    Kyrah rannte in ihrem Eispalast wütend hin und her. Enzio versuchte in seinen weißen Wolfsfellen möglichst unauffällig hinter der Feuerstelle zu sitzen und mit dem Weiß der Wände zu verschmelzen. Diese Laune kannte er, die konnten nur Frauen haben - und gelegentlich AGGA.


    "Was haben die was wir nicht haben! Warum rennen denen diese mammutkochenabnagenden Trottel hinterher?!"


    Enzio überlegte kurz, ob eine Antwort auf diese Frage überhaupt willkommen war, und wenn ja, welche. Er beschloss, diplomatisch vorzugehen: "Nun ja, sie sehen nun einmal Nutzen in Ihrem Glauben".


    Das Wutschnauben, das er als Antwort bekam, lies ihn Schlimmes befürchten. Doch Kyrah erkundigte sich weiter: "Welchen Nutzen sollten sie denn davon haben? Der Glaube ist Valium für das Volk, mehr nicht".


    "Nein, Meisterin," widersprach Aggas Sohn, "ihr irrt. Uga und Agga haben übernatürliche Kräfte, von denen ihre Anhänger profitieren. Aggas Kämpfer schlachten in gewissen Monaten besonders unerbittlich, während Ugas Kindchen in den warmen Monaten durch besonders hohe Ertäge ihrer Arbeit für ihre Mühen und ihren Glauben belohnt werden."


    "Ich will, dass sie mir auch folgen," Kyrah rannte immer noch aufgeregt hin und her, "mach was, egal was. Irgendein Hokuspokus fällt mir schon ein, um sie zu belohnen. Sie sollen mich in einer Ode anbeten, genauso wie die beiden anderen. Ich will hören, was sie mir zutrauen, und was sie glauben, dass ich für sie tun kann. So erfahre ich gleich zwei nützliche Dinge dabei, nämlich, wie leicht es ist, sie in meinen Bann zu ziehen, und womit. Ich will wissen, wie sich die beiden dämlichen Brüder fühlen. Sorge dafür, dass es möglichst viele werden, es soll ihr Schaden nicht sein. Ich würde nur zu gerne sehen, wie dumm sie aussehen, wenn sie merken, dass ihnen ihre Anhänger davonrennen."


    Enzio grummelte ein wenig. "Ich habe aber keine Lust, jedem eine Belohnung zu bringen, der irgendwie "Oh Kyrah ich bete Dich an und glaube dass du alles schaffst und mir alles bieten kannst" stammelt. Wir sollten schon darauf achten, dass wir nur Anhänger um uns scharen, die über gewisse geistige Fähigkeiten verfügen. Sie sollten schon bis 3 zählen können oder so."


    Kyrah nickte zustimmend. "Stimmt, dann testen wir sie. Die Menschen beten doch bereits Eisgottheiten an. Verschiedene Stämme kennen zwar etwas verschiedene Heilige, aber sie sollen 3 Mal soviele Zeilen an mich schreiben, wie sie Eisgottheiten anbeten. Deren Namen müssen auch in der Ode enthalten sein. Und weil ich auch nicht unbedingt die langsamsten Gefolgsleute haben möchte, geben wir Ihnen Zeit bis zum letzten Tag des kommenden Monates Düsternis."


    Enzio ging zu seinem Schwarm Schneespatzen, die er extra für solche Aufgaben ausgewählt und gezüchtet hatte, und beschwörte sie. Sie würden in den Bäumen und an den Höhleneingängen sitzen und die Botschaft ins Tal pfeifen.

    Re: Skalis Pläne


    Skali sah dem Höhlenmakler noch nach und begutachtete seine neue Höhle.
    Die vielen Kohlen und die gefrorenen Möhren wird er noch wegräumen müssen und diese komische Vorhänge gefielen ihm auch nicht, aber sonst war er durchaus zufrieden.
    Von hier würde er seinen Handel treiben und wie schon in Thoka überaus profitable Geschäfte machen.


    Skali grübelte über das weitere Vorgehen nach.


    TICK-TACK


    Skali erschrak und machte einen leichten Satz zur Seite als mitten aus dem Nichts hunderte Tick-Tack-Männer in seiner Höhle auftauchten. Mit Verwunderung und großem Interesse musterte er die Ankömmlinge, die ziemlich dämlich in der Höhle herumstanden und ihre Sanduhren in der Hand wiegten.
    Das waren sie also, der Stolz Enzios. Und er hatte sich über viele Ecken und ebenso dunkle Kanäle ein paar von ihnen gesichert. Skali beglückwünschte sich zu diesem Schachzug.


    Schließlich grinste Skali und rieb sich geschäftstüchtig die Hände.
    "Jetzt muss ich mir nur noch meine Leckereien zurückholen und ich bin wirklich angekommen im kalten Noktardem! Vielleicht erinnern sich ja ein paar eifrige Händler aus Thoka an mich und wissen, dass diese Leckereien nur von mir stammen können. Den anderen werde ich eine Nachricht zukommen lassen müssen."



    Einige Zeit Später hatte Skali flüchtig eine Steinplatte entworfen.


    Re: Skalis Pläne


    Skali fluchte leise.
    Sein werbewirksamer Auftritt war gründlich fehl geschlagen. Seine ganzen Leckereien waren über das kalte Tal verstreut und wie üblich hatten sich die gierigen Talbewohner bereits über alles hergemacht.


    Jetzt mußte er wieder tief in die Tasche greifen um zumindest die Reste zurück zu erhalten.
    Und überhaupt. Noktardem? Wie zum Agga kann es ein Tal geben, dass noch kälter ist als Thoka schon war?
    Skali zog die Felle enger um seinen Körper und begutachtete geistesabwesend eine Höhle, die ihm ein geschäftstüchtiger Höhlenmakler anbot.
    Sofort merkte Skali, dass diese Makler ihm sehr ähnlich war. Profitgierig zeigte er ihm ein ziemlich kaltes Loch, dessen unebener Boden mit dem Kot von Hufeisennasen bedeckt war.
    Die Suche nach einem brauchbaren Heim würde wohl noch länger dauern.


    Inzwischen kann er nicht viel ausrichten und sich schon gar nicht selbst auf die Suche nach den bisher verschollenen letzten Leckereien machen. Vielleicht sollte er seine zukünftigen Handelspartner darauf aufmerksam machen, dass noch insgesamt acht Köstlichkeiten in den tiefen des inneren Kreises auf ihre Entdeckung warten.


    Er würde eh jede einzelnen bezahlen müssen, da machen diese paar auch keinen Unterschied mehr.
    Skali seufzte. Kälte? Wieso nicht einmal schönes tropisches Klima?

    Re: Halbgötter


    Über zwei Jahre waren seit ihrem letzten Treffen vergangen und Carmi war sichtlich überrascht auch Eskaler als Abgesandten der Preispiraten anzutreffen.


    "Ich bin hier, um Euch für Eure weise Entscheidung zu danken. Offensichtlich haben Eure Götter endlich eingesehen, dass ihr nur gemeinsam gegen die Eisgöttin bestehen könnt!" rief Eskaler. "Doch seid ihr noch lange nicht am Ziel!Mithilfe Euer Anhänger habt es geschafft Eure Höhlen notdürftig gegen einfache Angriffe der Eisgöttin zu schützen, doch jetzt ist es an der Zeit selber aktiv zu werden. Ihr müßt der Eisgöttin und ihrem zeitlosen Helfer zuvor kommen! Ihr müßt!"


    Slavomir blickte auf die Steinplatte mit den von den Preispiraten angedachten Vorgehen.
    "Ihr seid Euch sicher, dass wir es finden können? Hier in Noktardem?"
    Carmi runzelte die Stirn. "Hmm, selbst wenn es wahr ist, unsere Truppen sind starken Angriffen von den verblendeten Anhängern der falschen Göttin noch nicht gewachsen. Wir müssen unseren wahren Anhängern einen weiteren Vertrauensbeweis abverlangen!"


    Eskaler lächelte zaghaft und Slavomir sah mit glasigen Blick in den peitschenden Schneesturm.
    "Ja Carmi, wir müssen voran. Dach lasst uns zuerst unseren treuen Dienern für ihre Unterstützung danken, dann wenden wir uns der neuen Aufgabe zu. Unser Untertanen sollen erfahren, dass ihre Hilfe und Unterstützung nicht umsonst ist, wir zeigen Ihnen, dass sich der Glaube lohnt." Slavomir machte eine gewichtige Miene.
    "Wir Halbgötter werden sie für die Unterstützung beim Ausbau unserer Höhlen gebührend entlohnen!"

    Der Umzug


    Ein lautes Klirren und Sausen erfüllte die Luft über dem Tal, so dass die Talbewohner blitzschnell hinter Knüppelbäumchen, Felsen oder Büschen Deckung suchten. Sie trauten ihren Augen nicht, denn über das Tal schoss ein Schlitten, ähnlich dem Schneckenstreitwagen Slavomirs. Nur dass dieser Schlitten nicht von Svanta, Wosta, Slawa und Dazbag gezogen wurde, sondern von einem Dutzend seltsamer Gestalten. Die älteren Krieger schauderten, als sie einen Jabberwocky und Banderschnatz erkannten. Ein Mantis lief neben einem Schneemann, dahinter sah man einen TickTackMann neben einem Nebelgeist laufen. Es gab aber noch seltsamere Geschöpfe, welche die Talbewohner noch nie zuvor gesehen hatten. Als sie genauer hinsahen, bemerkten die Talbewohner, dass Skali in dem Schlitten saß, in einem bunt eingefärbtem Bärenfell, an das er Hasenohren genäht hatte. Der Schlitten selbst war mit allerlei buntfunkelnden Steinchen verziert. Der Händler rief ihnen einen Gruß zu, winkte heftig und warf mit weiten Bewegungen kleine Gegenstände aus den hinter ihm plazierten Säcken über das Tal.
    Die Kinder wollten losrennen, um nachzusehen, was er da von seinem Schlitten warf. Doch sie wurden von den vorsichtigen Älteren zurückgehalten, die den seltsamen Auftritt des Händlers noch nicht richtig einordnen konnten.