Uga-Agga-Revival?

  • Hallo liebe Community!


    Nachdem gerade das ganze Tal halbherzig Krieg führt und daher die durchschnittliche Aktivität also etwas höher sein dürfte als sonst, möchte ich diese Gelegenheit nutzen, um ein paar Gedanken zur momentanen Lage des Spiels und seiner möglichen Zukunft anzubringen.


    Zunächst also die aktuelle Lage. Uga-Agga ist, reden wir nicht lang drumrum, ein "ded gaem", um mal die Jugendsprache zu bemühen, ein totes Spiel also. Wer dem nicht zustimmt, wird vielleicht zugeben, dass es zumindest im sterben liegt: es gibt 120 Accounts maximal, davon sind höchstens 60 aktiv und von denen wiederum schaut die Hälfte einmal täglich rein, wenn überhaupt. Gespräche über das Spiel beschränken sich auf Fragen, wann die nächste Runde startet, es gibt keine Forenbeiträge, keine Storyline, kein RPG, keinen Content, keine Motivation, keinen Support. Wäre nicht der Einsatz von Shadow-Dragon, der nach 10 (?) Jahren nachvollziehbarerweise auch nicht mehr zu viel Energie rein steckt, hätte man Uga-Agga längst den Stecker gezogen.


    Nun ist das alles ja sehr schade, denn Uga-Agga ist an sich ein Spiel mit großem Potential. Zu seinen besten Zeiten, irgendwann gegen 2005, gab es immerhin um die 2000 aktive Spieler, reges Treiben im Forum und im IRC und viel Action ingame. Und das war noch lange vor dem großen Onlinegame-Hype des letzten Jahrzehnts, als Browser- oder App-basierte Spiele wie Shakes&Fidget oder Clash of Clans zehntausende user anzogen.


    Damit stellt sich die Frage: was fehlt dem Spiel oder vielmehr: was braucht das Spiel? Darüber kann man natürlich viel diskutieren, aber ein Ansatz, den ich im Zusammenhang mit MMOs bzw MMO-RPGs wiederholt gehört habe, ist das Konzept der drei Cs, und ich denk es passt auch auf Uga-Agga.


    1. Content:

    Elementar ist, dass es zu jeder Zeit für jeden Spieler mit jedem Fortschritt etwas zu tun gibt. Das fehlt bei Uga-Agga und es schadet dem Spiel. Während der Aufbau-Phase (vergleichbar einer Leveling-Phase in einem Spiel wie WOW) gibt es viel zu tun, man bemüht sich um Ausbauten, um Ressourcenverteilung, Missionierung, Forschung etc. und erlebt eine Progression des eigenen Reichs. Das macht Spaß und ist beliebt. Das ist einer der Gründe (nicht der einzige) warum Spieler oft nach einem Rundenbeginn rufen: damit es wieder was zu tun gibt.

    Der einzige "End-Game-Content" in Uga-Agga ist die Knüppelei. Aber die Knüppelei bietet rein gar keine Anreize, keine Belohnungen. Stattdessen lässt sie sich einfach umgehen: ein angegriffener Stamm kann sich auflösen, oder Einheiten bei Freunden parken. Man kann zwar externe Gebäude zerstören, aber das bringt dem Kriegführenden ja nichts. Also kein Anreiz. Knüppelpunkte sind die schwächste Form von E-Peen aller Zeiten, geben einem rein gar nichts und ob jemand 800k oder 900k Knüppelpunkte hat ist faktisch kein Unterschied. Folglich passiert ab einer gewissen Ausbaustufe praktisch nichts mehr im Tal.

    Soll Uga-Agga also wieder etwas lebendiger werden, muss man hier Abhilfe schaffen. Ein paar Ansätze, die mir persönlich eingefallen sind:

    a) ein Quest-System, im dem jeder Spieler und jeder Stamm in regelmäßigen Abständen Aufgaben bekommt, die signifikante Belohnungen geben. Aufträge wie "Zerstöre 1000 Verteidigungsanlagen!" oder "Erzeuge 100.000 Ressourcen außer Nahrung!" mit GFBs oder "Gewinne eine Knüppelei gegen einen Stamm mit mehr Mitgliedern!". Belohnungen in der Dimension von ganzen Lagerstufen, neuen Heldenfähigkeiten oder schlicht Einheiten. So ein System ließe sich leicht skalieren und Spieler jeden Levels eine Motivation geben, das Spiel zu spielen.
    b) ein PvE-System, in dem das Tal selbst Herausforderungen zur Verfügung stellt, denen sich die Spieler messen können und die angemessene Belohnungen geben können. Herausforderungen können beispielsweise einfache Siege gegen eine stationäre Armee in einer Höhle oder Mehrfachsiege an verschiedenen Stellen im Tal darstellen. Man bräuchte also Koordination und Teamwork und könnte sich wertvolle Belohnungen erspielen.

    c) ein RPG-System, wie es es schoneinmal gab. In regelmäßigen Abständen wird die Storyline des Tals vorangetrieben, indem ein Event ausgelöst wird. Spieler bekommen kryptische Nachrichten, die sich entschlüsseln müssen und können die dahinter verborgenen Aufgaben lösen. Werden somit Teil der Geschichte des Tals, bekommen vielleicht einen Titel oder eine andere Belohnung, werden in das nächste RPG integriert. Damit würde das Spiel etwas gewinnen, das nur sehr schwer zu erreichen ist: Atmosphäre, einer der wichtigsten Faktoren im Gamedesign überhaupt.

    Fazit: Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, Content zu integrieren. Grundsätzliche Probleme gibt es nicht, nur dass es halt jemand machen muss (dazu komme ich noch).


    2. Commitment:

    MMO-RPGs benötigen immer Spieler, die sich so richtig in das Spiel reinhängen. Zwar sind die Mehrheit der Spieler erfahrungsgemäß "Casual" gamer, die halt so bisschen vor sich hinspielen, und auch denen muss man Anreize schaffen, aber ein MMO gewinnt sehr durch Spieler, die ihr halbes Leben damit zubringen. Denn diese Spieler können anderen Spieler als Anreiz dienen, sei es durch ihr hohes Ranking, durch ihre Große Armee, durch die Erwähnung in RPGs oder durch visuelle Effekte, und sei es nur ein goldenes Leuchten auf der Karte.

    Solche Spieler hat es schon immer gegeben und es wird sie auch immer geben. Wer Uga-Agga schon länger spielt (und das dürfte praktisch jeder sein, der jetzt noch aktiv ist), erinnert sich mit Sicherheit an Spieler aus den frühen Runden, die dieser Beschreibung entsprechen. Man muss ihnen aber auch Anreize geben, und zwar auch welche, die über content hinaus gehen. Wie erreicht man solche Spieler? Hier ein paar Ideen:

    a) Eintrag in einer permanenten Hall of Fame durch das Erreichen bestimmter Errungenschaften. Alles ist vergänglich (gerade wenn eine Runde neu gestartet wird), aber Hall of Fame-Einträge sind permanent.

    b) Verbesserung der Mobile-Erfahrung. Jeder, der sich mehr in das spiel reinknien will, spielt UA auch vom Handy aus. Aber der PHP/HTML-Client ist bekanntlich eine Zumutung auf dem Handy. Irgendwann tut man es sich einfach nicht mehr an.

    c) Ingame-Vorteile für Stammeshäuptlinge. Wenn jemand, der einen Stamm anführt, dafür auch etwas bekommt (rein kosmetisch oder tatsächlich greifbar), ist das ein zusätzlicher Anreiz, sich im Spiel zu engagieren.

    Fazit: Möchte man, dass sich Spieler wirklich für das Spiel begeistern, sind Schritte unterschiedlicher Komplexität nötig. Spielinhalte zu integrieren dürfte nicht weiter schwierig sein, aber die längst überfällige UA-App wird nicht ohne weiteres machbar sein (mehr dazu später).


    3. Community:

    Alte Uga-Agga-Hasen erinnern sich: das Spiel war schön und gut, aber es wäre nicht das gleiche gewesen ohne das Forum im Hintergrund. Schmähschriften, RPGs, Kriegserklärungen, Handel, Kampfberichte, gegenseitiges "Ihr-seid-so-fies" an-den-Kopf-werfen, es war teil der Uga-Agga-Erfahrung. Und es ist ein elementarer Bestandteil jedes MMO-RPGs: man soll mit anderen Spielern interagieren, auf welche Art auch immer. Dies ist bei allen Online-Unterhaltungsformen der Fall: Egal ob MMOs, MOBAs oder Streaming, ohne Community gibt es keinen Hype, kein Drama, keine Spannung.

    Inhaltlich wurden diesbezüglich im Spiel bereits die richtigen Maßnahmen getroffen, um das zu befördern. Der Ingame-Chat ist enorm wichtig; dass da nichts los ist, liegt am Spiel, nicht am Chat. Konzepte wie die mühstischen Rohstoffe, die zur Kommunikation zwingen, gehen auch grundsätzlich in die richtige Richtung.

    Aber ein entscheidendes Problem bleibt: Foren sind nunmal, so traurig es auch sein mag, eine völlig veraltete Kommunikationsform. Vor 13 Jahren hat sich das halbe Internet in Foren abgespielt, heute passiert kaum noch etwas auf dieser Plattform und es ist unrealistisch zu glauben, dass man das Uga-Agga-Forum jemals wiederbeleben können wird. Nicht nur das offizielle Forum, auch die Stammesforen, in denen früher stammesinterne Fragen geklärt wurden und wo in OT-Threads gespammt wurden sind tot und werden es auch bleiben.

    Soll Uga-Agga also wieder aufleben, muss die Community also neue Plattformen bekommen. Hier habe ich leider keine Patentlösung. Youtube, Instagram, Twitter, Twitch, Facebook, das ist alles für Uga-Agga ziemlich ungeeignet. Aber man wird sich etwas einfallen lassen müssen.

    Fazit: Ob sich die nötige Community für Uga-Agga jemals wieder einfinden lassen wird, ist mehr als fraglich.


    Ende Teil 1.

  • Neben diesen drei grundsätzlichen Aspekten, die für den Erfolg eines Spieles aus meiner Sicht unverzichtbar sind, gibt es natürlich noch drei entscheidende, grundsätzliche Probleme, die letztlich nur eines sind: Die UA-App, das Entwicklerteam und die Infrastruktur.


    Die UA-App ist, seien wir ehrlich, unverzichtbar, wenn man die Spielerbasis erweitern möchte. Es ist völlig unrealistisch, in Zeiten von Clash of Clans-Klonen auf eine Spielerbasis von 2k oder mehr zu kommen, wenn man keine App hat. Allein weil die meisten Jugendlichen gar keinen Computer mit Browser nutzen, sondern alles auf Smartphones/Tablets machen.

    Dies App lässt sich aber nicht einfach so aus dem Ärmel schütteln. Aus zwei Gründen:


    Erstens meine ich, dass der Künstler, der hinter den UA-Designs steht (Jericho?) schon lange nicht mehr verfügbar ist. Man muss also mit dem arbeiten, was man hat.


    Zweitens ist der UA-Client, wenn man ihn überhaupt so nennen kann, wohl größtenteils PHP-basiert. Es gibt also vermutlich kein dediziertes Backend mit klarer Schnittstelle. Man müsste also alle (!) Server-Anfragen auf die App übertragen oder mal das Backend gescheit machen. In beiden Fällen wühlt man in 15 Jahre altem PHP-Code rum. Das macht nicht mal so eben einer alleine, man braucht wieder ein Entwickler-Team.

    Das gleiche gilt für neue Features, RPG-Betreuung oder Community-Handling. Man braucht Leute, die das machen. Kann man das auf Freiwilliger Basis halten? Vielleicht. Aber da die Spielergemeinde gerade enorm eingeschränkt ist und die Motivation eher auf einem Tiefpunkt, bin ich mir nicht sicher.

    Und schließlich: die Infrastruktur. Mehr Spieler benötigen einen größeren Server, ganz einfach. Dass das Spiel im moment "Für Lau" auf Shadow-Dragons Server läuft, ist ein unverzichtbarer Beitrag, denn die Kosten trägt er alleine. Soll das Spiel wieder wachsen, kann man sicher sein, dass für die Kosten für einen neuen Uga-Agga-Server anderweitig aufgekommen werden muss.


    Das bringt uns zur Finanzierung. In den letzten 10 Jahren hat sich bekanntlich viel getan, bezüglich Spielfinanzierung. Pay-To-Win, Pay-To-Play, Pay-To-Look-Good, Crowdfunding. Alles ist bei Uga-Agga möglich, grundsätzlich. Man müsste natürlich die rechtslage klären, denn das Spiel gehört ja... ja wem denn eigentlich? Wer besitzt die Rechte an Uga-Agga?

    Aus meiner Sicht wäre es am sinnvollsten, zunächst auf Crowdfunding zu setzen. Mit einem Budget um 1000 € könnte man 2-3 Entwickler, die das halb-freiwillig machen, entschädigen um das Spiel mal auf eine neue Basis zu bringen. Die entwickelte App könnte man für 1,99€ oder so im Play-Store anbieten um für die Infrastruktur zu zahlen. Aber Fakt ist erstmal: ohne Moos nix los, wenn nicht zumindest ein bisschen Geld in die Hand genommen wird, glaube ich nicht, dass sich bei Uga-Agga jemals wieder was tun wird. Es gibt einiges zu erneuern, aber mit der richtigen Motivation, dem richtigen Team und dem richtigen Ehrgeiz ist ein Revival dieses schönen Spiels aus meiner Sicht durchaus möglich. Schön wäre es :)


    So, wer es bis hierhin geschafft hat zu lesen, dem danke ich für die Aufmerksamkeit, denn das war nun wirklich viel Text. Es würde mich freuen, wenn vielleicht der ein oder andere seine Gedanken dazugeben würde!


    TLDR: Make Uga-Agga great again!


    Beste Grüße,

    Mahagony

  • Sehr gut geschrieben, kann dir nur Recht geben! Ich würde mir wünschen, dass UA auch nur annähernd seine frühere Attraktivität wieder erlangt. Das Forum war mindestens genau so wichtig wie das Spiel selbst. Schade, dass dem nicht mehr so ist. Stories zu Kriegen und dem generellen Talgeschehen zu schreiben, oder auch nur zu lesen hat dem Spiel eine gute Dynamik gegeben und die Community näher zusammen gebracht. Ich wünsche mir wieder ein aktiveres UA, ich hab zwar ein paar Jahre Pause gemacht, aber ich hab nie ein anderes Browsergame gefunden, das an UA ran kam.


    Was also tun? Ich würde gerne etwas dazu beitragen, meine Mittel sind allerdings begrenzt ;) Was programmieren angeht hab ich leider 0 Plan, ich würde aber spenden um einen Beitrag zu leisten, dem Game wieder Leben ein zu hauchen. Außerdem könnte ich sicher viele (ehemalige) Leute motivieren zumindest wieder halbherzig zu spielen.


    Make UA great again!

  • Hallo Zusammen,


    sehr gute Nachricht. Ich würde mich ebenfalls sehr freuen, wenn es für UA ein Comeback geben würde. Das Spiel fesselt einen nach so langer Zeit doch immer noch.

    Ich würde mich auch recht gerne aktiv Versuchen zur Wiederbelebung einbringen.

    Programmiertechnisch bin ich leider ein Anfänger. Hab zwar in C programmiert und mach das immer noch aber von allem weiteren habe ich nicht so viel Ahnung.


    Wenn ich irgendwie helfen kann, dann meldet euch bitte bei mir =)

    Make UA great again!

    "voller ist besser" - "ich bin voller als alle anderen!" - "hauptsache voller sein"


    Für die Anfänger:
    "voll - voller - am vollsten - der Voller"