• Hoch oben auf einem Bergrücken, am Eingang in das Tal, stand eine Gestalt. Stolz trotzte sie dem Schneeregen, der seit Tagen anhielt und ein Vorgeschmack war auf das, was das Tal wettertechnisch zu bieten hatte.


    Die alte Schamanin ließ ihren Blick kopfschüttelnd über das Tal wandern. Lange Zeit war sie in den Einöden unterwegs gewesen, aber irgend etwas hatte sie wieder dazu gebracht, die Nähe der Talbewohner zu suchen. Unheil drohte. Nicht das normale Unheil, nein, das kannte sie, das hatte sie dekadenlang miterlebt bevor sie sich für die Einsamkeit entschied. Nein, ihre Seele wurde von einer seltsamen Kälte erfasst, die sie aufschreckte. Etwas drohte ALLES ins Verderben zu reißen.


    Obwohl sie eben erst hier angekommen war erkannte sie, dass etwas nicht stimmen konnte. Hier und da ertönte Kampfgetümmel, aber es waren nicht einmal Stammesfehden, sondern nur das lächerliche Geplänkel von Nachbarn um ein paar Rohstoffe. "Narren" dachte sie, "schont Eure Kräfte, ihr werdet sie noch brauchen!" und begann den beschwerlichen Abstieg in das Tal.

  • Re: Wiedererwachen


    "MEINE METVORRÄTE! WAS HABT IHR GETAN? DER LECKERE MET IST VERSCHÜTTET" AGGA saß an seinem Lagerfeuer und sah fassungslos auf das Chaos, das sich seinen Augen bot. Überall lagen kaputte Metfässer und die einst verführerisch golden glänzende Flüssigkeit rann nun in braunmatschigen Rinnsalen durch das Lager, bevor sie entgültig im Boden des Tals versickerte. Einige seiner Untertanen versuchten noch die schlammige Brühe vom Boden zu schlürfen, aber der Gott des Krieges machte keine Anstalten, sich zu erheben. Auch ein paar Wildtiere liefen durch das Lager und schnüffelten an den Pfützen.


    Die alte Schamanin stand neben dem Lagerfeuer und betrachtete das Werk, dass ihr Gefolge vollbracht hatte Es war allerhöchste Zeit. Sie wandte sich entschuldigend an den Gott. "Es tut mir sehr leid, dass meine Leute Deine Metfässer zerstört und geleert haben. Es sind Feengeister die ich zusammen mit dem Händler des Tals, Skon-Tho, mit einem speziellen hochgeheimen Ritual der Todesfee Wiebke wiedererweckt habe. Leider scheint bei den Überlieferungen einiges untergegangen zu sein, die Rituale haben nur teilweise funktionert. Die Faumbies haben noch nicht ihr volles Körpergefühl wiederentdeckt und sind leider etwas ungestühm bei ihren Versuchen, die Knüppel zu schwingen".


    Agga lies nur ein lautes Stöhnen hören und sah hilflos zu, wie vier nicht ganz wiederbelebte Feengeister leere Mammuthhörner in das Met tauchten und damit von Dannen taumelten. Obwohl sie dabei ziemlich viel Met verschütteten, brachten sie doch immer 10 Einheiten Met pro Gang zu ihrer Heimathöhle.


    "Ich biete Euch Entschädigung, ich werde durch einen Zauber die Fässer reparieren und sie mit frischem Met füllen, so dass Ihr keine Nachteile durch die Tolpatschigkeit meiner Faumbies erleidet." Sie kniete am Feuer nieder, murmelte vor sich hin und warf hin und wieder einige seltsam riechende Kräuter hinein, von denen einige in bunten Farben aufleuchteten bevor sie zu Asche zerfielen, und wie durch ein Wunder erschienen die Behältnisse wieder, gefüllt mit goldenem, duftendem Met.


    Sie reichte ihm einen gut gefüllten Mammuthhorn, den er mit einem Zug leerte. Er nahm den zweiten zwar noch entgegen, ließ ihn aber fallen und begann zu wanken. "WAS HABT IHR GETAN? IST DAS GIFT! IHR HABT MIR GIFT GEGEBEN! IHR ..." Seine Stimme versagte ihm und er versuchte in seine Höhle zu kommen, fiel aber im Eingang bereits wie ein Baum um und blieb dort liegen


    Die Schamanin beobachtete dies alles ohne eine Gemütsregung zu zeigen. Dann drehte sie sich zu den versammelten Faumbies um. "Ihr habt heute einen prima Job gemacht! Aber ihr seid leider nicht genug Faumbies, um das Tal vor dieser Bedrohung zu retten. Ich hoffe, die Talbewohner finden einen Weg um uns helfen. Wir müssen auf Ihre Intelligenz und Ihre Intuition vertrauen, Boten oder gar Nachrichten zu schicken ist derzeit einfach zu gefährlich. Wir müssen Zeichen setzen und hoffen, dass sie sie verstehen."

  • Re: Wiedererwachen


    "AAAARRRGGHHH"


    Ein Baumstamm zerbarst am nächstgelegenen Felsvorsprung.


    Agga stand vor seiner Höhle, zitternd vor Wut, die Hände gegen seinen schmerzenden Schädel gepresst.


    "SCHAMANE!"
    Ein Schamane, ganz grau im Gesicht, stand sogleich zitternd vor dem offensichtlich übelst gelaunten, verkaterten Kriegsgott Rede und Antwort.


    "Herr ... Allen geht es schlecht ... wir denken es war der Met ..." stammelte er.


    Doch Agga schüttelte zornig den Kopf. "IHR DUMMKÖPFE! IHR WISST IMMER NOCH NICHT WAS GESCHEHEN IST? UNSER MET WAR VERGIFTET! WER AUCH IMMER DIESE SCHWARZE BURG INMITTEN UNSERES TALES HAT, ER MUSS UNSEREN MET VERGIFTET HABEN. VERGIFTET MIT DEN ÜBELN BEQUEMLICHKEIT, FAULHEIT UND KURZSICHTIGKEIT! ANSTATT ZU KÄMPFEN UM GIRA ZU HELFEN LAGEN WIR FAUL UND FEIGE IM DELIRIUM WIE ALTE WEIBER! WAS IST MIT MEINEM BLÜMCHENZÜCHTENDEN BRUDER UND DEN NICHTSNUTZIGEN HALBGÖTTERN!?! HABEN DIE SICH ETWA AUCH VOM MET EINLULLEN LASSEN? WENN WIR NICHT VON IRGENDWOHER UNTERSTÜTZUNG BEKOMMEN, WIRD ES FAST UNMÖGLICH, GIRA ZU RETTEN!"

  • Re: Wiedererwachen


    "MEINE ANHÄNGER IM TAL! WIE IHR BEREITS AN DEN LAGERFEUERN VERNOMMEN HABEN SOLLTET, SIND SCHLIMME DINGE IM TAL IM GANGE. JEMAND HAT GIRA ENTFÜHRT, UND DIE ENTFÜHRER TUN ALLES, UM UNS AUFZUHALTEN. WACHT AUF! SCHÄRFT EURE SINNE, BESINNT EUCH AUF EURE FÄHIGKEITEN! ERGREIFT DIE WAFFEN! FINDET EINEN WEG, DEN VERSTECKTEN, VERFLUCHTEN MET ZU FINDEN UND UNSCHÄDLICH ZU MACHEN! HELFT DAS TAL VON DIESEM FLUCH ZU BEFREIEN DER AUF IHM LIEGT, ABER SEID AUF DER HUT, BEGEBT EUCH NICHT ÖFTER IN GEFAHR ALS UNBEDINGT NÖTIG! ICH BIN SONST WAHRLICH EIN FREUND VON TOD UND VERDERBEN, ABER DIESMAL MÜSSEN WIR HAUSHALTEN, ICH BRAUCHE EUCH UND EURE KRIEGER LEBEND UND FRISCH! ICH WERDE DIEJENIGEN, DIE EINEN WEG FINDEN UNS ZU HELFEN KRIEGSGÖTTLICH ENTLOHNEN. SCHICKT MIR BITTE EINE STEINPLATTE MIT BERICHTEN ALLER AKTIONEN VON DENEN IHR GLAUBT, DASS SIE ZUR LÖSUNG UNSERES PROBLEMS BEITRAGEN. WER AUCH IMMER DIESE MACHT IM TAL IST, WIR WERDEN SIE DAS FÜRCHTEN LEHREN! MUAHAHAHAHA!"

  • Re: Wiedererwachen


    Ihr alten Nichtsnutze! Wollt Ihr Euch mit dem Met selber besaufen?! Ihr wisst doch, dass er vergiftet wurde! Skon-Tho hat sich beschwert, dass Ihr ihm nicht zugehört habt, als Ihr die Faumbies bei ihm gekauft habt. Oder warum begebt Ihr Euch unnötig in Gefahr?! Agga will am Sonntag Abend, zur Geisterstunde, kontrollieren, wer die Aufgabe richtig gelöst hat und diejenigen dann göttlich entlohnen! Also sorgt dafür, dass er nur die richtige Menge in Eurer Höhle findet!

  • Re: Wiedererwachen


    DAS IST JA GUT ZU WISSEN, WIE ALLEINE ICH HIER IM TAL STEHE. EINIGE HÄUPTLINGE VERSUCHTEN ZWAR, MIR ZU HELFEN, ABER IHRE ANSÄTZE WAREN TEILWEISE MEHR ALS HALBHERZIG UND ZWEIFELHAFT, UND AUCH NICHT VON ERFOLG GEKRÖNT! KEIN EINZIGER HALBGOTT KONNTE GERETTET WERDEN, AUCH UGA IST IMMER NOCH NEBEN SICH - SOWEIT DAS ÜBERHAUPT MÖGLICH IST, UND AUCH VOM PROPHETEN HABE ICH SEIT TAGEN NICHTS MEHR GEHÖRT! ICH WERDE MICH WOHL SELBER DER SACHE ANNEHMEN, EINIGE FAUMBIES SIND ZUM GLÜCK ZU MIR GESCHICKT WORDEN, ICH WERDE SIE ZUERST IN DIE HÖHLE DES PROPHETEN SCHICKEN, UM DORT DIE 240 EINHEITEN MET HERAUSZUHOLEN! DANN WERDEN WIR WEITER SEHEN, OB WIR DIESES TAL ÜBERHAUPT NOCH RETTEN KÖNNEN. ICH WERDE MICH AUF ALLE FÄLLE AUF DIE SUCHE NACH GIRA UND IHREN ENTFÜHRERN MACHEN.

  • Re: Wiedererwachen


    "Herr ... etwas Seltsames ... geht vor im Tal" noch schwer atmend vom Rennen steht ein rennender Knüppelkrieger vor dem Propheten. "Die Faumbies! Wie bei einem Sternlauf kommen von überall her die Faumbies gelaufen, und die einzelnen Grüppchen verbünden sich zu einem großen Strom, der gen Süden zieht. Auf dem Weg vereint sich der Faumbiezug mit ganze Karawanen von rennenden Steinschleuderern, Rennenden Knüppelkriegern und Grauen Straßenkötern. Auch bemannte Transporttragen, Eichenweicher, Obeliskenträger und Schwefelschlepper sind zu sehen. Was ist da los?"


    Der Prophet runzelte verwundert die Stirn. Von überall her erreichten ihn in den letzten Tagen beunruhigende Meldungen. Er war nur noch wenige Tagesreisen von Aggas Heerlager entfernt, und die Gerüchte um den großen Gott des Krieges wurden immer dichter. Er sei gefangengenommen worden, sagen die einen, er habe das Tal auf der Suche nach Gira verlassen, sagen die anderen. Von den Halbgöttern hatte er auch noch nichts gehört, allerdings war ihm in den letzten Tagen immer wieder ein kleiner, räudiger Hund aufgefallen, der seinen Weg zu begleiten schien. Auch glaubte er, das dreiköpfige Raubtier zwischen den Bäumen gesehen zu haben, das normalerweise untrennbarer Begleiter Shadow-Dragons war. Immerhin Hinweise darauf, dass die Halbgötter aktiv waren.


    Er wanderte weiter, in der Hoffnung, in wenigen Tagen im Heerlager Aggas Antworten zu finden.

  • Re: Wiedererwachen


    Das rot-schwarze Fell der dreiköpfigen Raubkatze stellte sich, als sie über die bis zur Unkenntlichkeit verkohlten Reste von Aggas einstigem, mächtigen Heerlager schnüffelte. Firak und Carmi saßen beratend am Rande der Lichtung, während Shadow-Dragon seinem Begleiter aufmerksam zusah.


    "Hier ist sehr viel von der bösen Energie meines Bruders freigesetzt worden, ich spüre es richtig". Die Anwesenden zuckten unwillkürlich zusammen, als auf einmal wie aus dem Nichts Uga auf einer Anhöhe erschien, gefolgt von Kirkalot, Trubatsch und Slavomir. Etwas abseits davon stand der Prophet und betrachtete mit vor Entsetzen aufgerissenen Augen das Schlachtfeld.


    Die Raubkatze wechselte einen langen Blick mit ihrem Besitzer, und Shadow-Dragon sprach, ohne die Augen von ihr zu lassen "Ihm geht es gut, er hat vieles hier selber angerichtet im Kampf gegen ... wen auch immer. Es wurde unglaublich viel böse Energie in diesem Kampf freigesetzt, die hier immer noch zu spüren ist und sich langsam wie zu einem Nebel verdichtet. Ihr wisst, was das bedeutet."


    Uga nickte und drehte sich wortlos zum Gehen, seine Begleiter folgten ihm.