Der Feuerthron

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Der Feuerthron

Beitragvon Der Prophet » 29.11.2006, 23:13

Ein Anfang



Lange habe ich beobachtet.

Alle Dinge die waren, die sind und die sein werden haben ihre Anfänge.
Nur wenige erkennen den Anfang wenn er geschieht, erst in der Rücksicht läßt sich ein Anfang als solcher erkennen.

Das Tale Saramari lief an den Zeitaltern vorbei.
Die Geschehnisse und das Ende stellten einen solchen Anfang dar.

Dies ist ein weiterer Anfang...


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Agga sass am Fuße seines riesigen Schmelzofens und blickte in das glühende Metall. Seine Augen schienen mit dem heißen Feuer um die Wette zu brennen.
Wie konnte er nur so dumm gewesen sein? Agga schüttelte den Kopf und sprang wie von einer Tarantel gestochen auf. Ein Eimer kalten Wassers flog von seinem heftigen Tritt getroffen an die Wand und zerschellte.
Kochend vor Wut auf sich selbst sah er sich in seiner Höhle um, auf der Suche nach neuen Zielen, als sein Blick auf seine Kriegskeule fiel, die er seit den Zeiten in Saramari nicht mehr geschwungen hatte. Er schloss die Augen und genoss die tödliche Macht, die von ihr ausging. Für eine Weile schien er das Gefühl förmlich aufzusaugen, bevor er sich mit der Kriegskeule in der Hand daran machte, neue Pläne zu schmieden:

Das Feuer seiner Esse konnte natürlich nicht heiß genug sein, um den Talisman des ewigen Feuers neu zu schmieden. Er selbst hatte ihn damals in den Tiefen von Paffis Schmiede im gleißend bläulichen Feuer in wochenlanger Arbeit geschmiedet. Eine neue Esse mußte her. Agga holte mit seiner Kriegskeule probe halber aus. Er wußte auch schon wer diese Esse bauen sollte.

Shadow-Dragon war dem Rufe seines Meisters sofort gefolgt. Wie üblich kniete er in demütig gebeugter Haltung auf sein Schwert gestützt vor Agga. In der Ecke rollte sich der dreiköpfige Schoßhund an seinem Stammplatz zusammen.
HALBGOTT DES FEUERS!! SHADOW-DRAGON! ICH HABE EINEN AUFTRAG FÜR DICH, BEI DEM DU DEINEN UMGANG MIT DEM FEUER UNTER BEWEIS STELLEN KANNST!! Agga beschäftigte sich intensiv mit seiner Kriegskeule, beobachtete aber indes Shadow-Dragon aus seinen Augenwinkeln heraus genau.

SUCHE EINEN GEEIGNETEN ORT UND BAUE MIR EINEN SCHMELZOFEN. NICHT EINFACH NUR EINEN OFEN, NEIN, EINEN FEUERTHRON, WIE IHN DIE ZEITALTER NOCH NIE GESEHEN HABEN!! HEISS GENUG UM JEGLICHER KÄLTE ZU TROTZEN UND VON SOLCHER INTENSITÄT, DASS ICH DEN TALISMAN DES EWIGEN FEUERS DARIN NEU SCHMIEDEN KANN!! ALLE MEINE ANHÄNGER SOLLEN SEHEN ZU WELCHER GROSSARTIGEN BAUKUNST DER HERR DER VERNICHTUNG FÄHIG IST!!

Ein Lächeln huschte über Shadow-Dragons Gesicht. Dies war eine Aufgabe nach seinem Geschmack.
„Meister, ich danke Euch! Ich werde Euch einen Feuerthron bauen, der selbst die eisigen Gletscher des Tales in ihrer unendlichen Gleichmut erschüttern läßt!“ Shadow-Dragon verneigte sich.

ICH ERWARTE AUCH NICHT WENIGER!! ICH WERDE DEINEN FORTSCHRITT BEOBACHTEN!! ICH MUSS GEWIßHEIT HABEN, ICH MUSS WISSEN OB PAFFI TOD IST ODER...!! Agga holte mit der Kriegskeule erneut aus, doch diesmal zog er die Bewegung kraftvoll und scheinbar mühelos durch. Eine häßliche Statue zweier im ewigen Kampfe verbundener Krieger zerfiel beim Auftreffen der Keule augenblicklich zu feinstem Staub. GEH UND ENTTÄUSCH MICH NICHT!!

„Ja Meister, ihr werde Euch stolz machen!“ mit diesen Worten wandte sich Shadow-Dragon ab und machte sich mit seinem Schoßhund an seiner Seite auf, die Pläne seines Gottes auszuführen.
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Die Schriftrolle

Beitragvon Der Prophet » 03.12.2006, 20:13

„Gefolgsleute Aggas! Schart Euch um Euren Gott und dient ihm mit Eurem Leben!“ Shadow-Dragon holte tief Luft um seinen Worten noch mehr Wirkung zu verschaffen.
„Agga ruft Euch auf unter meiner Führung einen Feuerthron zu bauen, der seiner würdig ist. Größer und heißer als alles bisher da gewesene, so heiß, dass selbst die Gletscher der Vorzeit angsterfüllt zittern!“

Shadow-Dragon nahm eine Schriftrolle und sah sie flüchtig an.
„Hört! Die Aufgabe wird nicht einfach sein. Der Bau und die Weihung muß nach alten überlieferten Beschreibungen erfolgen, die im ersten Zeitalter von Paffi selbst niedergeschrieben wurden. Agga hat bereits den perfekten Bauplatz für das Monument seiner Stärke bestimmt. Dort wo die ergibigsten Metalladern lagern und die heißesten Schwefelquellen sprudeln, dort werde ich für meinen Herrn die heißeste Esse aller Zeitalter, den Feuerthron errichten!“

Shadow-Dragon rollte die Schriftrolle aus und las vor.

„Der Feuerthron ist eine Herausforderung, die nur durch die Zusammenarbeit mehrerer Anhänger meines Herrn Aggas erreicht werden kann!
Jeweils fünf Diener des Kriegsfürsten, die sich unter demselben Banner versammelt haben, müssen die folgenden Aufgaben innerhalb eines Monats bewältigen! Nicht erforderlich dabei ist, dass die selben Fünf alle Aufgaben verrichten, wichtig ist nur, dass die göttliche Zahl Fünf erreicht wird!

Der Bau des Feuerthrons kann nur in der dem Kriegsgott geweihten Jahreszeit erfolgen und muss innerhalb eines solchen Zyklus abgeschlossen sein!
Der Ablauf ist kompliziert. Jeden Monat des Zyklus muss eine bestimmte Aufgabe erfüllt werden, nicht mehr und nicht weniger! Die genaue Anzahl ist dabei wichtig, jede Abweichung führt unweigerlich zum Scheitern des Baus!

Der Ablauf im Einzelnen:

Begonnen werden muss mit einer Reinigung des Bauplatzes im Zeichen der Düsternis! Der herbeigerufene Zorn Aggas soll sämtliche Vegetation, alle Wurzeln, das kleinste Gestein hinwegfegen!

Nach Reinigung des Bauplatzes bedarf es im Verderb Sklaven und Gestein, um das Fundament des Feuerthrons zu errichten. Insgesamt werden für den Bau zwei Großhundert Sklaven und genau das zehnfache der Sklaven an Stein benötigt.

Im dritten Monat muss der Bauplatz gekühlt werden. Bereits jetzt geht eine große Hitze alleine von dem Fundament aus, ohne dass ein Feuer entfacht wurde. Jeder der Anbeter meines Herrn soll ein Dutzend von Schneekreaturen auf dem Grundstock des Feuerthrons opfern, um die Abkühlung des heißen Steins zu gewährleisten!

Als Bewacher des Baus werden die Krieger Aggas benötigt! Jeweils eine Mandel von jedem der Abgesandten Aggas, die nur im wahren Glauben an den Kriegsgott ausgebildet wurden!

Endlich ist der Bau vollbracht! Zur heiligen Weihe im Namen Aggas bedarf es natürlich Opfer! Die Geschöpfe seines verhassten Bruders, die im Zeichen Ugas ausgebildeten Diener müssen geopfert werden. Für jeden seiner fehlgeleiteten Jünger muss eine Halbstiege der Geschöpfe geopfert werden.

Beendet ist der Zyklus und vollendet sollte auch der Bau sein!
Agga selbst ist der einzige, der zusammen mit meiner Kenntnis über das Feuer den Feuerthron entflammen kann!

Eine Warnung muss ich mir auch in das Gedächtnis rufen:
Der Feuerthron enthält Mächte, deren Gewalt selbst ich nicht einschätzen kann. Sollte ich jemals an den Bau dieses Feuerthrons denken, muss ich mich im Vorfeld unbedingt näher mit diese Mächten beschäftigen!“


„Dies sind die Aufzeichnungen Paffis!“ sprach Shadow-Dragon
„Diener Aggas, Euer Meister hat mir aufgetragen diesen Bau zu überwachen! Ich werde ein Auge auf alle Vorgänge und Lieferungen haben, wagt es nicht von den Überlieferungen Paffis abzuweichen! Die Folgen kann nicht einmal Agga selbst abschätzen!

Geht und helft Euerm Kriegsherrn!“
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Der erste Blick

Beitragvon Agga » 03.01.2007, 22:08

Der erste Blick


Agga war äußerst missmutig gelaunt.
Für seine Verhältnisse ist das eine ziemlich erträgliche Laune. Mit großen Schritten stapfte er durch den mechanischen Wald aus Materialien, Baugeräten und überdimensionalen Kränen.
Sein Blick fiel auf einen Bretterverschlag, in dem augenscheinlich einige Kreaturen Ugas eingesperrt waren. Zorn flackerte in seinen Augen und er wandte sich schnell ab, um sich nicht den ersten Blick auf seinen Feuerthron verderben zu lassen.

Endlich hatte er den ersten freien Blick.
Imposant ragte vor ihm ein riesiger Schmelzofen auf. In einem Wechselspiel aus Dunkelheit und Schatten verschluckten die massiven Wände das dämmernde Tageslicht. Selbst jetzt in seinem jungfräulichen Zustand spürte Agga eine Hitze von ihm ausstrahlen. Aggas Augen glühten vor innerlicher Freude. Wie heiß wird der Thron erst, wenn er ihn endlich entzündete.

HALBGOTT DES FEUERS!! SHADOW-DRAGON. IHR HABT WORT GEHALTEN. EIN VERSAGEN WÄRE EUCH AUCH NICHT BEKOMMEN, ABER ICH BIN ZUFRIEDEN. ES SCHEINT ALS HÄTTET IHR EURE PRÜFUNG MIT BRAVOUR BESTANDEN!! sagte Agga.

„Danke, Herr!“ erwiderte Shadow-Dragon. „Ich habe mein Möglichstes gegeben, um Deinen Ansprüchen zu genügen. Und ich habe mir Hilfe bei einem alten Stamm geholt, der Dir treu ergeben ist. Die uralten Mammoth standen mir zur Seite, das Ritual zu vollführen. Auch andere Stämme haben es versucht, doch sind sie kläglich gescheitert!“
AH DIE MAMMOTH. JA, DIE BEGLEITEN MICH SEIT VIELEN ZEITALTERN. WIE ICH GESEHEN HABE, HAST DU MIR AUCH EIN PAAR ANHÄNGER UGAS ZUM GESCHENK GEMACHT!! WIE KAM ES DAZU??

„Herr, einige Stämme haben das Ritual falsch gedeutet und diese Anhänger Deines Bruders zu mir geschickt. Ich wusste nicht, was ich mit ihnen machen sollte, ich wollte zuerst Dich konsultieren!“ erklärte Shadow-Dragon.

ICH WERDE SIE AN MEINEN BRUDER ZURÜCKSCHICKEN: MIT EINER BOTSCHAFT! meinte Agga mit einem unheilvoll höhnischen Lachen.
ER SOLL AUS ERSTER HAND ERFAHREN, DASS ICH DIE MÄCHTIGSTE ESSE ALLER ZEITALTER GEBAUT HABE!! MEIN VERHASSTER BRUDER SOLL WISSEN, WELCHE UNVORSTELLBARE MACHT ICH BESITZE!!
Agga blickte stolz auf den Feuerthron.

UND UM MITTERNACHT IN DIESER MONDLOSEN NACHT WERDEN WIR BEIDE DIE ESSE ENTZÜNDEN!! ICH WERDE DIE TAGE GENIESSEN UND ENDLICH DEN TALISMAN DES EWIGEN FEUERS NEU SCHMIEDEN!! DANN WERDEN WIR GEWIßHEIT HABEN!!
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Nächtliche Zusammenkunft

Beitragvon Ein Chronist » 02.02.2007, 02:01

Die Gegend war fast taghell erleutet , obwohl es mitten in der Nacht war. Zum einen reflektierte die tiefhängende, weiße Wolkendecke das Licht des Vollmondes, und dieses bereits vervielfachte Licht wurde noch einmal von der geschlossene Scheedecke in das Auge der Betrachter zurückgeworfen. Aber die beiden Gestalten, die auf einer kleinen, schneebedeckten Anhöhe standen, hatten keine Augen für dieses winterliche Szenario. Eine von ihnen war in wärmende Wolfsfelle gehüllt, die andere trug ein zotteliges Mammutfellstück um sich herum geschlungen.

"Ich habe Dich gewarnt, Meisterin! Ich kenne die beiden Brüder nur zu genau. Immerhin bin ich das Fleisch und Blut des einen, auch wenn ich mich bald von ihm abgewendet habe. Er ist mächtig, und sein Jähzorn verleiht ihm Kräfte, die es ihm ermöglichen, fast alles zu bewerkstelligen. Er kann Armeen in den Tod führen und Schlachten gewinnen wie kein Anderer! Aber auch sein Bruder ist nicht zu unterschätzen. Er wirkt zwar wie ein harmloser, verweichlichter Blumenzüchter, aber auch er weiß sich zu wehren, hat er doch in den vielen Scharmützeln mit seinem Bruder gezeigt, dass auch er die Sprache der Gewalt sprechen kann."

Die angesprochene Gestalt atmet einmal laut hörbar ein und wieder aus, bevor sie ein Wolfsfellstück aus ihrem Gesicht zurückschlug und sie dem Sprecher antwortet: "Ich weiß, treuer Freund, ich weiß. Spätestens seit er es geschafft hat, die magische Esse zu bauen, mit der er zweifelsohne eine so mächtige Glut entfachen kann, die es ihm erlaubt, den Talisman des Feuers wieder zu schmieden, weiß ich, dass er mir fast ebenbürtig sein könnte. Aber er hat einen wunden Punkt, seinen Jähzorn. Wenn wir es schaffen, ihn uns zu Nutzen zu machen, haben wir die halbe Schlacht gewonnen! Was mir mehr Sorgen bereitet ist, dass ich noch nicht herausgefunden habe, was die Prophezeiung mit dem anderen Symbol gemeint hat. Es muss noch einen Antagonisten in diesem Tal geben. Nur was ist das? Eis?"

Ihr Begleiter schüttelte energisch den Kopf. "Nein, Eis kann es nicht sein. Eis ist kein Symbol des Lebens, zumindest nicht in dem Sinn. Wir werden es finden, unsere Spione sind bereits im ganzen Tal auf der Suche."
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