Vorahnungen

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Vorahnungen

Beitragvon Ein Chronist » 05.08.2008, 19:53

Es gibt vermehrte Berichte über Sichtungen von schwarzen Kutten und immer wieder Gerüchte über den Standort wechselnde Bäume.

„Firak und Nebrot kreisen mich immer weiter ein. Nicht mehr lange und die Brüder werden sich in Bewegung setzen.“ Kyrah blickte Gedanken verloren in den Schneesturm.
„Enzio hat sich in seinem Turm verschanzt, oder er ist gar in einer anderen Zeit unterwegs...ich kann nicht auf seine Rückkehr warten. Seiner uneingeschränkte Unterstützung kann ich nicht mehr sicher sein!“

Kyrah suchte in einem Stapel nach einer weiteren Steinplatte.
„Ah, die letzte Hoffnung. Mein Kristall wurde endlich entdeckt. Sind die Häuptlinge im Tal doch erfolgreich, das Rätsel zu enthüllen. Nur mit dem rituellen Kristall der Macht kann ich meine gesamte Kraft entfalten. Ohne den Kristall werde ich gegen die beiden Brüder keine Chance haben!“

Kyrah blickte in eine Ihrer Kristallkugeln.
„Sollen die Brüder kommen, ob mit oder ohne Kristall, es wird eine verlustreiche Schlacht für die beiden - und für mich!“



Unterdessen an einem anderen Ort, in einer anderen Zeit.
„Mein Freund, ich verstehe Dein Dilemma. Wie Du weißt, werte ich Familie höher als alles andere in diesen Tälern. Aber in Deiner Situation kann ich Dir nur den Rat geben, Deinen Weg alleine zu gehen! Versöhne Dich mit Deinem Vater, sprich mit Deinem Onkel, aber gehe Deinen Weg!“ sagte eine brüchige Frauenstimme.

Der Mann nickte.
„Dennoch könnte ich mich einmischen. Der letzte Kampf muss nicht blutig enden. Ich kann viele Leben retten, ich kann den Brüdern zu einem Sieg verhelfen, ohne den Schnee blutrot zu färben und ohne meine Gefährtin dem Tode zu opfern!“

Die weise alte Frau schüttelte den Kopf.
„Das könntest Du sicherlich, aber mit diesem Eingriff würdest Du das Gefüge erheblich stören. Die Krieger gehen willens und offenen Auges in den Tod. Sie sterben im Dienst ihrer Götter, sie erfüllen ihre Lebensaufgabe mit der Unterwerfung aller Feinde ihrer Götter.“ Sie blickte in die gleißende Sonne. „Deine Gefährtin muss nicht des Todes sein. Selbst bei schweren Niederlagen in den kommenden Schlachten wird sie einen Ausweg finden.
Nein Enzio, lass Du das Tal hinter Dir und gehe wieder Deinen eigenen Weg!“

„Ich werde Deinen Rat beherzigen, weise alte Frau! Aber ich werde mich nicht geräuschlos verabschieden. Die Häuptlinge mit ausreichendem Wissen sollen sich meiner Künste erinnern!“
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Re: Vorahnungen

Beitragvon Ein Chronist » 10.08.2008, 12:56

Enzio schritt einen langen dunklen Korridor entlang. Auch die anschließende große Halle lag im Halbdunkeln. Ohne einen Blick für die Umgebung und ohne ein zögerliches Zeichen schritt Enzio auf den riesigen Thron zu, nahm die vordersten Stufen und kniete sich zu Füßen der riesenhaften Erscheinung.
„Vater!“ sagte Enzio mit klarer Stimme.

Einige Sekunden der Stille verflogen bis ein Rascheln Bewegung andeutet.
„MEIN SOHN, DU BIST ZURÜCKGEKEHRT!“ rief Agga. „ERHEBE DICH! UND DANN ERKLÄRE DICH!“

Enzio stand auf und blickte jetzt das erste Mal seit vielen Zeitaltern seinem Vater direkt in das Gesicht. Enzio registrierte, dass sich das Antlitz seines Vaters kaum verändert hatte. Tiefe Furchen und riesige Narben zogen sich über Aggas Gesicht. Enzio wusste natürlich, dass Agga diese Narben nur aus reiner Eitelkeit trug. Dennoch versetzte Enzio der Anblick einen leichten Schock. Diese glühenden unnachgiebigen Augen musterten ihn und verlangten nach einer umfassenden Erklärung. Er war nicht sicher, ob er diese Erklärung liefern konnte.

„Vater, ich habe viele Reisen unternommen, viele Zeitalter erforscht und großes Wissen erlangt. Aber ich habe auch viele Fehler begangen, falsche Entscheidungen getroffen, Wege ohne Ziel eingeschlagen. Doch jetzt sehe ich wieder klarer, ich komme direkt vom Orakel der Alten weisen Frau.“ Enzio zögerte, aber in Aggas glühenden Augen zeigte sich noch keine Regung. „Vater, ich möchte mich mit Dir versöhnen. Ich möchte mich mit Dir aussprechen, meinen Frieden machen, in Dir nicht nur meinen Vater, sondern auch wieder meinen Mentor, Ratgeber und nicht zuletzt Freund sehen! Aber ich möchte meine Freiheit behalten, nicht zurück in den warmen Schoss, ich möchte weiter nach Wissen forschen, der Zeit weitere Geheimnisse abtrotzen, Täler jenseits aller Vorstellungskraft sehen.“
„Vater, nach all diesen Reisen, nach all diesen Erfahrungen möchte ich an Dein prasselndes Feuer zurückkehren und mit Dir als Freund bei den edelsten Tropfen zusammensitzen und über die großen und kleinen Dinge reden. Ich möchte mit Dir über über die Wirrungen der Zeit diskutieren und über den blödesten Brandstifter lachen. Vater, ich bitte Dich akzeptiere mich als Deinen Sohn so wie ich bin, nicht an Deiner Seite, aber immer in Deinem Herzen!“

Als Enzio endete schien das Feuer in Aggas Augen erloschen zu sein. Agga starrte Enzio ein paar Sekunden an und räusperte sich dann. Mit weicher Stimme sprach Agga:
„Mein Sohn, ich war darauf eingestellt mir mit Dir heiße Diskussionen, unnachgiebige Wortgefechte und Streitgespräche mit vielen verletzenden Worten zu führen. Ich war voller Spannung, voller Entschlossenheit Dich mit Worten zu besiegen. Aber jetzt, ohne dass ich das Wort ergriffen habe, ohne dass ich meine Sichtweise dargelegt habe, nur mit einer einzigen kurzen Rede von Dir bin ich bereits besiegt! Ja, ich bin besiegt, sämtlicher Verteidigungen sind nieder gerissen, alle Kampfkraft erloschen, und dennoch – ich habe gewonnen! Ein größerer Sieg als ich mir je erträumen konnte!“

Agga stand auf und schloss Enzio in seine kräftigen Arme.
„Mein Sohn ist zurück. Nicht als mein Gefolgsmann, sondern als mein Freund! Enzio, ich bin glücklich und freue mich bereits jetzt auf unsere Stunden am Lagerfeuer!“
Enzio nickte freudestrahlend und verkniff sich ein paar Tränen.



Ein paar Stunden später wurde Agga ernst.
„Enzio, es ist mir eine Freude mit Dir über so viele Dinge zu reden, aber natürlich muss ich Dich auch nach Kyrah fragen. Wie bist Du mit Ihr zusammengetroffen, warum bist Du ihr gefolgt und schließlich muss ich wissen, wo ihre verborgenen Truppen sind, wie groß ihre Anzahl ist. Und natürlich alles was Du zu den Artefakten weißt!“

Enzio hatte diese Fragen erwartet und sammelte seine Gedanken.
„Getroffen habe ich Kyrah auf einer Reise in die Vergangenheit. Sie war weise, mächtig und hatte interessante Visionen. Ehe ich mir wirklich gewahr geworden bin, war ich schon in ihrem Bann. Sie verschaffte mir Zugang zu großem Wissen. Das komplette Wissensgebiet des Winters und des Eises stand mir mit einem Mal offen.“
„Ich erkannte nicht wie sie mich manipulierte, wie sie meinen Ärger über meine Familienverhältnisse ausnutzte. Kyrah gab mir immer genau soviel wie ich brauchte, keinen Bissen mehr. Sehr schnell hatte sie erkannt, dass ich Uga und Dir etwas beweisen wollte.“
Enzio schüttelte den Kopf.
„Und ich war geblendet von der Fülle an Wissen. Ich wollte Euch zeigen, dass ich nicht mehr der kleine Junge bin, dass ich viel gelernt hatte und das meine Macht Eurer nicht wirklich unterlegen ist. Aber sie...sie wollte Euch ärgern, Euch Qualen bereiten und letztendlich auch vernichten. Vater, ich habe Euch in der ganzen Zeit beobachtet. Sie hätte Euch vernichten können! Wenn sie nicht so verspielt wäre und zu dem Zeitpunkt meine damalige Loyalität vollkommen ausgenutzt hätte! Ihr beide habt Euch wieder Eurem ewigen Streit hingegeben, während wir alle Figuren in Stellung hatten.“ Enzio seufzte.
„Paffis Tod hätte mich aus meiner Delirium wecken müssen, doch sie manipulierte jede Information, hetzte mich weiter gegen Euch auf. Vater, ich kann mich nicht entschuldigen. Zu schwer wirken meine Taten. Aber gerade Du solltest mir Verständnis entgegen bringen. Zu oft hast auch Du unbedachte Entscheidungen aus Ärger, Kampfeslust und Hass getroffen!“

Agga nickte. „Mein Sohn, ich verstehe Deine Taten, aber Vergebung kann ich Dir so schnell nicht gewähren! Verrate mir alles über Kyrahs Pläne!“
Enzio zögerte. „Ich weiß nicht viel über ihre Pläne. Die Truppenstationierung und die Stärke kennen ich nicht. Die Tick-Tack-Männer und Zeitreisenden stehen ihr zur Verfügung. Einige Gerüchte sprachen von einer Eisheiligen, aber ich habe sie nie zu Gesicht bekommen. Kyrah hatte immer große Hoffnung auf das Artefakt gesetzt, aber all ihre Bemühungen haben bisher nur dazu ausgereicht, die Bruchstücke soweit zusammenzuführen, dass vier Teile übrig blieben.“
„Diese Vier hat sie offensichtlich im inneren Kreis ausgesetzt. Es sind sogar bereits zwei Bruchstücke verschmolzen worden, es existieren noch drei. Aber gut zu wissen, dass dies alle sind! Dann ist Kyrah nur noch zwei Verschmelzungen von ihrem Artefakt entfernt!“

Enzio hörte gebannt zu. „Dies wusste ich noch nicht. Das Artefakt muss mächtig sein, aber ich glaube kaum, dass Kyrah alleine gegen die geballte Macht der Brüder bestehen kann. Vater, nur mit Uga zusammen bist Du stark genug! Lass nicht wieder Deinen Hass die Vernunft besiegen!“
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Re: Vorahnungen

Beitragvon Ein Chronist » 15.08.2008, 17:43

Uga blickte in den Schneesturm.
Eine ganze Woche war der Halbgott der Zeit sein Gast gewesen. Uga war höchst erfreut die alten Tage aufleben zu lassen und mit Enzio wieder viele interessante Gespräche, tiefgehende Diskussionen und so manche sinnfreie Debatte führen zu können.
Doch jetzt war Enzio davon gezogen, um dem kommenden Schlachtenlärm zu entfliehen.

„Herr, es ist angerichtet. Agga ist mit seinen Halbgöttern eingetroffen, wir müssen die Vorbereitungen planen!“ rief ihm Slavomir zu.

Einige Minuten später erstattete Firak Bericht.
„...so konnten wir einige ihrer Unterschlüpfe entdecken. Die sind ausgebaut wie Festungen, diverse Verteidigungsanlagen schützen die Eingänge. Viele Krieger haben wir gesichtet, ihre Zahl muß in die Hunderttausende gehen. Vorrangig haben wir Tick-Tack-Männer und Zeitreisende entdeckt, aber auch eine uns unbekannte Gattung.“

Agga ergriff das Wort.
„Diese uns unbekannten Krieger umschrieb Enzio als Eisheilige. Sie scheinen die Elite von Kyrah zu sein, selbst Enzio hat sie niemals in Aktion gesehen, aber Gerüchten zufolge können sie Schaden verursachen wie ein Mobiles Katapult und ein Rollender Panzerwagen! Es müssen herrliche Kriegsmaschinen sein! Es wird mir eine Freude ihnen im Kampf gegenüber zu stehen!“

Uga erhob sich.
„Mein Bruder, ich sehe den Kampfrausch in Dir emporsteigen. Doch ich empfehle eine durchdachte Vorgehensweise! Mit Kirkalot, Shadow-Dragon und der bezaubernden Carmi habe ich mich kurz besprochen, auch sie halten eine allgemeine Schwächung des Gegners für sinnvoll. Wir haben auf unserer Seite die Mittel eine solche Schwächung auszugleichen, Kyrah vermutlich nicht!“
Kirkalot nickte. „Ich werde meine Rituale der Zerstörung vollziehen und die Widerstandskraft aller Krieger reduzieren. Shadow Dragon und Carmi werden unser Heer mit zusätzlicher Widerstandskraft versorgen, so dass wir einen zusätzlichen Vorteil erringen sollten!“
„Und hier kann ich auch helfen!“ Feeble stand zufrieden auf. „Ich werde die Größe verringern und gleichzeitig unseren Angriff mit zusätzlicher Größe versorgen!“

Uga lächelte Feeble fröhlich an und fuhr fort.
„Nebrot wird zusätzlich die Verteidigung schwächen. Ja, ich denke wir sind gut vorbereitet. Laßt uns die Rituale beginnen! Bis dahin sammeln wir unsere Truppen möglichst unauffällig in verschiedenen Höhlen! In einigen Tagen treffen wir uns hier wieder und besprechen die letzten Einzelheiten des Angriffs!“
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